Live-Reviews

Doro, Rawhead Rexx, Judge For Yourself

17.04.2003, Ziegenhain, Kulturhalle

Judge For Yourself

Judge For Yourself betraten etwa gegen 20:45 Uhr die Bühne. Die Combo entpuppte sich als Coverband und brachte von Beginn an alte sowie neue Metal-Klassiker, die - mit viel Spaß und Spielfreude vorgetragen- ihre Wirkung auf's Publikum nicht verfehlten. Es gelang der Band bereits zu sehr früher Abendstunde einige Neugierige und Fans vor die Bühne zu locken und die Stimmung in der Halle vor den nachfolgenden beiden Acts anzuheizen.
Kein Wunder, bei dem gespielten Programm. Judge For Yourself machten ihre Sache gut und sorgten gleich von Beginn an für eine lockere Stimmung in der Ziegenhainer Kulturhalle. Die rauhe Stimme des Sängers klang manchmal ein wenig leise, dafür dröhnten Schlagzeug und Gitarren umso kräftiger aus den Boxen.
Schon der Opener des knapp 35-minütigen Coversets hatte es in sich. Den Anfang machte We Are Motörhead, daran schlossen sich im Laufe des Sets Coverversionen von Dio, Maiden, Priest, Deep Purple etc. an, wobei Hush in der Gotthardt-Version gespielt wurde. Bis auf die irgendwie schon ein wenig deplaziert wirkende S.F.U-Coverversion des AC/DC-Gassenhauers TNT (Gesang viel zu leise, Gitarren nicht druckvoll genug), kamen alle gespielten Stücke beim Publikum gut an. Daran sollte man zukünftig seitens der Band besser noch arbeiten oder sich eine solch aufgesetzt wirkende Coverversion schenken, da sie den ansonsten recht ordentlichen Eindruck der Band verfälscht.
Abgesehen von dieser kleinen Ausnahme war der Gig des Fünfers okay. Die Fans dankten es Judge For Yourself. Nach dem letzten Stück wurden zurecht vereinzelte Zugaberufe für die Coverband laut, die als letztes Stück eine gelungene Hardrockversion des Midnight Oil-Klassikers Beds Are Burning zum besten gab. Ich habe schon weitaus schlechtere Versionen dieses bei Hartwurstbands allseits beliebten Coversongs gehört.

Rawhead Rexx

Beim Auftritt von Rawhead Rexx versammelten sich anschließend schon einige Leutchen mehr vor der Bühne. Die Band servierte den Fans gleich zu Beginn mit Town Of Skulls vom gleichnamigen Debüt Rawhead Rexx ein sattes Speedmetalbrett. Die aus Stuttgart kommende Band liegt mit ihrem Sound irgendwo zwischen Helloween, Hammerfall und Grave Digger.
Coverversionen durften (wie bei allen drei Bands des Abends) auch bei Rawhead Rexx nicht fehlen. Eine gelungene Coverversion des Dio-Klassikers The Last In Line und ein schön in die Länge gezogenes Heaven And Hell von Black Sabbath wurden dementsprechend ausgelassen von den Fans abgefeiert. Die Stuttgarter brachten eine gelungene Mischung aus wuchtig treibenden Powerspeed-Songs, Midtempo-Stampfern und sich im Laufe des Sets gigantisch steigernden Halbballaden (z.B. The Scream), sowie den schon erwähnten beiden Coverversionen.
Der Mitte des Sets folgende Appell des RR-Frontmannes, dass die Nordhessen gut feiern können und noch ein wenig zahlreicher vor die Bühne kommen sollten fruchtete. Die Fans trauten sich noch ein wenig zahlreicher an die Bühne heran, um jetzt (nach anfänglicher Zurückhaltung) richtig abzubangen, zu tanzen und der Band die gewünschte Reflektion zu geben.
Gegen Ende des offiziellen Gigs forderte der Rawhead Rexx-Sänger die Fans auf, noch einmal alles zu geben und den Auftritt sinngemäß mit einer Zugabe zu beenden. Lautstarke Zugaberufe nach Ende des Sets bestätigten, dass Rawhead Rexx einen guten Eindruck in der Ziegenhainer Kulturhalle hinterlassen hatten.

Doro

Ziegenhain scheint ein gutes Pflaster für Doro zu sein. Schon als die Metal-Queen auf der Bühne erschien und von Anfang an beim programmgemäßen Speedopener Hellbound gleich heftigst abbangte (was sie während fast aller Stücke tat) und sich gut aufgelegt in allerbester Laune präsentierte, jubelten ihr die Fans in der gut gefüllten Ziegenhainer Kulturhalle frenetisch zu.
Nach dem fünften Song des Sets erfüllte sich sogar ein schon lange gehegter Traum eines Liebespärchens in Form eines vor der Bühne abgegebenen Heiratsantrages, der jedoch nur von recht kurzer Dauer war. Anschließend ging es gleich mit Volldampf weiter. Doro Pesch heizte in unnachamlicher Weise die Massen an. Die sympathische Sängerin befand sich stimmlich voll auf der Höhe und gab wie immer alles!
Die recht quirlige Ex-Warlock-Sängerin ballte häufig die Faust, reckte immer wieder die Arme im Zeichen des Gehörnten nach oben, lief ständig von einer Seite zur anderen und mobilisierte unablässig das Publikum zum mitmachen, welches wie schon beim letztjährig vollständig ausverkauften Konzert von Doro in der Ziegenhainer Kulturhalle von Beginn an begeistert mitging!
Unter dem Fanpublikum herrschte an diesem Abend eine gigantische Atmosphäre in der Kulturhalle, wie sie ausgelassener nicht sein könnte! Die Metalqueen verfügt obendrein über eine excellente Band, das wurde spätestens bei den herrlich langen, variablen Gitarrensolos, sowie der sicher aufspielenden Rhythmussektion mehr als deutlich. Die Band hatte ein buntgemischtes Programm aus alten und neuen Klassikern für ihre Fans parat, wobei nicht nur alte Warlock-Stücke wie das eingangs erwähnte Hellbound, Earthshaker Rock, Burning The Witches, True As Steel, I Rule The Ruins oder East Meets West sich großer Beliebtheit erfreuten.
Auch Songs vom aktuellen Album wie Fight oder Always Live To Win kamen keinen Deut schlechter beim permanent feiernden und tobenden Publikum in der Schwalm an. Die Ziegenhainer Kulturhalle stand Kopf! Alle Songs bestachen durch einen klaren Sound und einen mörderischen Groove! Die eigentliche Überraschung des Konzertabends stellte eine aus meiner Sicht superbe Coverversion des Dio-Klassikers Egypt dar, wie man sie selten zu hören bekommt.
Mit der Superballade Für immer durfte der balladeske Teil des Konzerts ebenfalls nicht fehlen, ehe es abschließend noch einmal rasant in den Endspurt ging. Als großen Extrabonus gab es mit der ebenfalls überaus gelungenen, nicht nur für mich überraschenden Coverversion des Billy Idol-Klassikers White Wedding aus den 80ern ein weiteres Sahnestückchen, ehe die lautstark geforderte Alltime-Hymne All We Are standesgemäß einen grandiosen, gut zweistündig andauernden Set beendete, nach dem es laut Doro und Band eigentlich nur eine Devise geben konnte: »Ziegenhain, - wir kommen wieder!«

Toschi

weitere Links
Interviews:

Interview: Doro, 17.04.2003 Jedes Album kommt tief aus dem Herzen, es ist vorher nie so geplant

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Rawhead Rexx - Diary In Black
DVD-Review: Doro - Für immer
CD-Review: Doro - Fight

Live-Reviews:

06.11.2001: Saxon, Rawhead Rexx (LKA - Longhorn, Stuttgart)
16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)
24.06.2005 bis 25.06.2005: Bang Your Head-Festival (Balingen)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)


Diese Seite wurde 0 mal kommentiert

Kommentar schreiben







1
Artikel
diesen Artikel per Email verschicken:
Email
 Suchen
In den Live Reviews nach:
am meisten gelesen:
Bewertung
Artikel bewerten:

Stimmen: keine
Punkte: 0/5
Partner
Remission Records
AFM-Records
Roadrunner Records
Bad Land Records
Statistik
1590 CD-Reviews
282 Underground-CDs
24 DVD-Reviews
159 Interviews
124 Live-Reviews