Live-Reviews

2. Remission-Records-Festival

29.03.2003, Neukirchen, Sägewerk

Mit ein wenig Verspätung etwa gegen 20:45 Uhr legten Tharn aus Marbug los. Die Band spielte von Beginn an äußerst heftigen, rauhen und kompromisslosen Brachial-Thrashmetal mit voll-auf-die Zwölf-Garantie. Tödliche Killerriffs, Blastpeedparts und schnelles, aggessives Thrashmetalriffing mit häufigen Midtempo-Parts sind die Markenzeichen dieser Formation, die gleich von Beginn an mächtig in die Vollen ging und teilweise bangte, was das Zeug hielt.
Es gelang der Band, zumindest eine ansprechende Zahl an Leuten vor die Bühne zu locken, die nicht schlecht staunten. Der Sound des Fünfers war zeitweise ein wenig zu dumpf, lag allerdings noch im grünen Bereich. Tharn spielten von Beginn an ein gutes Old-Shool-Thrash-Metal-Brett was durch Tracks wie Nothing To Fear, Fire And Suicide oder das letzte Stück Watch You Die unterstrichen wurde, das alle genannten Stärken der Band vereinigte.
Das Publikum im Neukirchener Sägewerk braucht scheinbar immer erst einmal eine ganze Weile, bis es so richtig auftaut. Dies war leider auch bei Tharn der Fall, die sich alle Mühe gaben, ein gesundes Maß an Beifall vom Publikum im zu dieser Zeit wenigstens halbwegs ansprechend gefüllten Neukirchener Sägewerk erhielten und staunende Blicke ernteten. Nach etwa gut einer Dreiviertelstunde verließ die Band nach ihrem Auftritt zufrieden die Bühne, während die Meinungen des Publikums über den Set der Marburger Formation geteilt waren. Aus meiner Sicht haben Tharn ihren Anheizer-Job gut erledigt.

Nach gut zwanzigminütiger Umbaupause enterte mit Mortal Passion die zweite Formation des Abends kurz vor 22 Uhr die Bühne, um ihrerseits mit sattem Old-Shool-Thrash Marke alte Slayer/Kreator aufzuwarten, der vor allem durch viele schöne Grooves bestach. Ab und an driftete die Formation auch schon einmal in Grind-Death-Gefilde ab, doch das war eher die Ausnahme.
Der klassische, häufig stark rifforientierte, mächtig groovende Old-Shool-Thrash von Mortal Passion kam gut an. Die Reaktionen des Publikums waren zumindest schon ein ganzes Eckchen heftiger als noch einige Minuten zuvor bei Tharn, was Stücke wie Time To Die, Lost Our Reasons Of Live, The Bodymask, You Can oder Human Animals eindrucksvoll bewiesen.
Der Sänger hatte desöfteren mit dem Licht zu kämpfen, das ihn scheinbar vor einige Probleme stellte, was er jedoch gekonnt mit lockeren Sprüchen und Lob bezüglich des guten Lichtes im Sägewerk überspielte; demzufolge konnten sich manche Besucher eines leichten Schmunzelns nicht erwehren. Die schweren teilweise mit unverkennbarem Slayer-Einfluss gespielten Riff-Gitarren kamen gut zur Geltung, die Rhythmussektion spielte locker und sicher auf, der Gesang war ebenfalls okay, das Stageacting der Band kam gut rüber, die Einstellung des Fünfers stimmte ebenfalls. Einzig der Sound von Mortal Passion hätte (zumindest an manchen Stellen) vielleicht noch ein klein wenig druckvoller und klarer sein dürfen.
Auf Seiten der Band wurde kräftig geheadbangt, um das Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Ein wenig mehr Aktivität auf Seiten des zunächst noch recht verhalten reagierenden Publikums wäre hier durchaus angebracht gewesen. Obwohl sich trotz eines staunenden und langsam schon ein wenig mehr zu den Stücken mitgehenden Publikums direkt vor der Bühne kaum etwas tat, hatte die Band eine Menge Spaß an ihrem Auftritt und spielte ein ordentliches, recht deftiges Old-Shool-Brett, wofür sie mit zunehmender Spielzeit mehr und mehr Applaus eines zufriedenen Publikums erntete, das allmählich auf den Geschmack zu kommen schien.
Als Mortal Passion am Ende mit Black Magic sogar noch eine stilgemäße, oberamtliche, optimal zur eigenen Thrash-Metalmucke passende Coverversion vom ersten Album der texanischen Thrash-Metal-Könige Slayer als Zugabe spielte, tobten endlich auch einige Fans in der ersten Reihe. Nach knapp einstündigem Set verließ auch diese Band zufrieden die Bühne. Job gemacht, Stimmung entfacht!

Als Fearer um 23 Uhr die Bühne des Neukirchener Sägewerks enterten hatte sich endlich eine stattliche Anzahl von Besuchern vor der Bühne versammelt. Bei dieser Combo ist der Name Programm. Es gelang der Band von Beginn an, das Publikum mitzureißen. Die Band machte ihrem Namen alle Ehre, spielte sicher und arschtight auf und lehrte die Konkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes das Fürchten! Kein Wunder, die stilistische Ausrichtung, der günstig gewählte Zeitpunkt des Auftritts und der Sound des Fünfers passten an diesem Abend wie die Faust auf's Auge, wie schon das entsprechend dazugehörige Klientel der anwesenden Fans zeigte.
Im Vergleich zum ersten Remission-Records-Festival waren diesmal seltsamerweise keine Alternativ oder Hardcorefans am Start, jedoch hatten sich ein paar eingefleischte Blackmetal und Gothic-Anhänger im Sägewerk eingefunden. Dafür war die Thrash- und Deathmetalabteilung umso stärker vertreten, die ihr Kommen an diesem Abend keineswegs bereut haben dürfte! Bei Fearer dominierte Hochgeschwindigkeits-Thrash der stark an die alten Sepultura zu seeligen Thrash/Death-Zeiten erinnerte als der Band noch richtige Thrash-Granaten wie "Troops of Doom" (das Ausnahmestück vom Album "Shizophrenia") gelangen.
Bereits vom ersten Takt an spielte die Band straight nach vorn auf und erinnerte des öfteren an die brasialianische Thrash-Ikone, wobei ihr ein unwiderstehlicher Stil zu eigen ist, der auch bei den Fans im Neukirchener Sägewerk sehr gut ankam. Das entsprechende Stageacting und frenetische Headbanging der ständig sich bewegenden Musiker, brachte gute Stimmung in die Bude und riss die Besucher reihenweise mit! Endlich tobten die Fans im Neukirchener Sägewerk, die Matten wurden geschüttelt, es wurde verstärkt gebangt!
Zentnerschwere Blastspeed, Thrash- und Grindcoreathattacken hielten sich gegenseitig die Waage. Herrlich fiese, fette Klampfen, eingebettet in einen guten, druckvollen Sound, bestimmten das Bild während des gesamten einstündigen Gigs, eine durchweg treibende Rhythmussektion spielte enorm sicher auf, was in punkto dieser Formation nur noch eines bedeutete: Gitarren, Gitarren, Gitarren und nochmals: Gitarren! Über den Fans braute sich ein tödliches Gitarreninferno zusammen, eine massive Soundwand, die mit geradezu tödlicher Präzision so ziemlich alles niederzuwalzen schien, was ihr in die Quere kam!
Stücke wie Isolation oder You Killed Alive sprechen in Bezug auf Geschwindigkeit, spielerischem Können und Härte eine deutliche Sprache. Die Stimme des Sängers, der ab und an wunderlich derbe, langgezogene Death-Grunts mit in die Songs einbrachte, sowie die Spielfreude der Band übertrug sich schnell auf das Publikum, das es der Combo dankte und bei allen Tracks gleich von Beginn an euphorisch abging! Bei Fearer gab es keine Verschnaufpausen, die Band erwies sich als würdiger Headliner. Obwohl schon die beiden Vorbands einen ansprechenden bis guten Set abgeliefert hatten, hieß der Sieger des Abends mit deutlichem Abstand Fearer! Eine Meinung, die ich mit dem Gros der Fans im Neukirchener Sägewerk teilte.
Fearer kamen, sahen und gaben voll auf die Glocke, dass es nur so krachte. Anders läßt sich die restlos gelungene Vorstellung der Band an diesem Samstag Abend kaum in Worte fassen. Fazit: Old-Shool-Thrash vom Feinsten! Lautstarke vermehrte Zugaberufe zum Ende des Sets und ein restlos vom Auftritt überzeugtes Publikum bewiesen, dass mit dieser Band zukünftig gewaltig zu rechnen ist, wenn man sich die Bezeichnung Thrash/Deathmetal auf's Fähnchen schreibt. Wer nach dieser beeindruckenden Vorstellung am nächsten Sonntagmorgen keinen Nackenmuskelkater hatte, ist nur zu beneiden. Wer die Band am Samstag im Sägewerk verpasst hat, ist selber schuld ...

Wenige Minuten nach Mitternacht läuteten dann Final Breath den Schlussspurt im nicht mehr ganz so stark gefüllten Neukirchener Sägewerk ein. Ähnlich wie schon beim ersten Remission-Records-Festival geschehen, lichteten sich auch hier beim letzten Act stark die Reihen, der ein weitaus zahlreicheres Publikum verdient hätte, da auch diese Band (wie schon die anderen drei vor ihnen spielenden Acts) unheimlich viel Spielfreude und Biss an den Tag legte, was man ihr zu jeder Minute anmerkte. Allerdings präsentierten sich Final Breath gar nicht erst so lustlos und spielten von Beginn an hochmotiviert mächtig drauf los, dass es auch hier eine Freude war, dem hingebungsvollen Thrashcocktail der Band zu lauschen, zu sehen, zu hören und zu staunen.
Einige Fans bangten auch bei Final Breath ab, was das Zeug hielt, doch trotz guter spielerischer Leistung hatten Fearer einige Minuten zuvor die Messlatte bereits ziemlich hoch angelegt, weshalb die Band trotz aller Agilität nur noch einen guten Gig bringen konnte und vor nicht mehr ganz so voller Hütte spielte. Die Band machte das Beste daraus. Der sehr versierte, auf hohem technischen Niveau vorgetragene Progressiv-Trash des Vierers glänzte mit zahlreichen Rhythmus- und Tempowechseln, massig verspieltem Leadgitarrengefrickel und bestach obendrein durch einen guten Sound. Möglicherweise hatten Final Breath den besten Sound des Abends von allen vier Bands erwischt.
Das anwesende Publikum ging auch bei dieser sympathischen Truppe, deren Frontmann das Publikum noch einmal mit zahlreichen Sprüchen und sichtlich guter Laune richtig aufzuputschen versuchte, was ihm zumindest größtenteils gelang, zu später Stunde noch gut mit. Tracks wie To Live And To Die, Killing Maschine, Kill Em Alive, Violent God oder Break Down ließen zum Abschluß ein gelungenes zweites Remission-Records-Festival gebührend ausklingen.

Nachträglich bleibt festzuhalten: Alle vier Bands hatten Spaß an ihrem Auftritt, den sie sichtlich genossen. Die Musiker suchten häufig von der Bühne aus die Nähe zum Publikum, wobei sie mit lockeren Sprüchen oder lustigen Kommentaren nicht geizten, während die Fans sich in abwartender bis ausgelassener Stimmung befanden und ihrerseits das versprühte Feuer erwiderten. Den vier Bands konnte es eigentlich nur recht sein. Die an den Tag (besser an den Abend) gelegte Einstellung war positiv, alle vier Gruppen präsentierten sich in guter Spiellaune, und entsprachen durch die Bank weg spielerisch einem technisch ansprechendem Leistungsniveau. Bei einem Eintrittspreis von sechs Euro müsste das Neukirchener Sägewerk eigentlich aus allen Nähten platzen. Dies war leider wieder nicht der Fall. Die Zahl der anwesenden Besucher hielt sich wie schon beim ersten Remission-Records-Festival geschehen, einmal mehr in Grenzen. Die vom Veranstalterteam ausgewählten vier Bands waren gut, der Sound im Sägewerk ließ ebenfalls nur wenig zu Wünschen übrig.
Unter den Besuchern einmal mehr eine wie so oft angenehme Atmosphäre, die zu anregenden Gesprächen einlud. Die Preise vom Remission Records Stand sowie die Getränkepreise waren ebenfalls sehr günstig und fair wie immer, an dieser Stelle geht einmal mehr der Dank von meiner Seite an Christian Otto und das gesamte Remission-Records-Team für eine gelungene Veranstaltung, die hoffentlich trotz nicht einhundertprozentig zufriedenstellender Publikumsresonanz auch in Zukunft noch häufiger stattfinden wird.

Toschi

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CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Fearer - Backfire
CD-Review: Fearer - Descent
CD-Review: Final Breath - Let Me Be Your Tank

Live-Reviews:

24.08.2001: Lay Down Rotten, Tharn, Mortal Passion (Gladenbach)
17.03.2001: Mortal Passion, Lay Down Rotten (Musikförderverein Kassel)
26.08.2005 bis 27.08.2005: Up From The Ground (Gemünden, Mainwiesen)
11.08.2005 bis 13.08.2005: Party San Open Air (Bad Berka)
15.09.2001: Art Of Darkness Festival (Waldhütte Scherfede)


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