Live-Reviews

Party San Open Air

07.08.2008 bis 09.08.2008, Bad Berka

Da hatte ich mir ja was aufgeladen … Zunächst dachte ich noch, dass ich mir die Festivalsaison terminbedingt komplett ans Bein streichen kann und dann kam doch alles anders. Kumpel Björn nahm mich eine Woche vor dem Party San kurzfristig mit zum Wacken Open Air, damit ich endlich meine Helden At The Gates sehen konnte. Zum Party San konnte ich glücklicherweise eine ganze Reihe von Terminen umlegen, so dass ich, mehr schlecht als recht vom Wacken erholt, erneut allen Krempel zusammenpackte und in Richtung Thüringen aufbrach.
Der direkte Vergleich der beiden Festivals hätte gar nicht unterschiedlicher ausfallen können: 1a Bandauswahl in Thüringen, mächtig viel Schrott in Norddeutschland. Bier in Wacken 3,50€, in Bad Berka 2€. Überfülltes Gedränge im Norden und jede Menge Asis, angenehme und friedliche Party Stimmung hingegen bei gut überschaubarer Größe im Osten. Im Norden Stress durch zu viele gleichzeitig und zu früh spielende Bands, beim Party San ausschlafen, grillen, chillen und nachmittags zu ersten Band auf der einzigen Bühne ganz entspannt bei viel kürzeren Wegen losziehen.
Vielleicht sollte man diese Veranstaltungen einfach nicht vergleichen, unter dem Strich ist es mir aber dennoch umso klarer geworden, wie sehr ich das Party San liebe, die Stimmung dort, die Bandauswahl und den rundum gelungenen Rahmen dieses nach wie vor einzigartigen Festivals. Dank Organisator Jarne konnte ich auch dieses Jahr wieder problemlos und kurzfristig einen Backstagepass bekommen, so dass bei gutem Wetter einfach alles passte.
Here we go:
Nach einer sinnvollen Umgestaltung der Zufahrtswege entzerrte sich die Anreise zum PSOA am Eingang ganz spürbar. Die Security war nett und freundlich alle Tage über, außer dass ich die Wesenstest-Prüfung am Eingang trotz Gästepass immer noch mehr als kurios finde … »Ey, was hasten da für ein Shirt an?« Ich: »Das sind Disfear, das ist eine schwedische Crustpunk Band«. Security: »Ne, na klar. Los, zeig die anderen Shirts bevor wir dich hier reinlassen!« Ich: »Hm, ich dachte nur rechten Hohlbroten wird der Zugang verwehrt, dass man Shirts linker Bands nicht tragen darf war mir nicht ganz klar. Muss ich meine Bolt Thrower, Dismember und Naglfar Shirts noch probetragen oder darf ich jetzt rein?«. Security: »Wie, was Nagelfar???« Die deutschen oder die schwedischen??? Ach die schwedischen, na die sind ok, dann darfst du jetzt rein….«. Immerhin wurde eine intensivere »Hexenjagd« wie im Vorjahr unterlassen und die vehemente Haltung seitens Organisatoren gegen Rechts hat dieses Jahr deutlicher Wirkung gezeigt. Die Anzahl der Besucher, die aufgrund Shirts und Benehmen dem rechten Lager angehörten, war glücklicherweise dann doch extrem gering. Weiter so!
Nach einigen Stunden bierseeliger Beruhigung begrüßte mich sogleich Kumpel und Schreiberkollege Candy vom Fatal Underground Magazin, der uns einen »super Platz« (am allerletzt möglichen Campingground) freigehalten hatte, na egal … Ein paar Bierchen und Zeltstangen später sollte der Spaß dann nun auch beginnen, so dass wir uns mit mindestens Standgas gen Bühne bewegten, wo sogleich Purgatory zum Death Metal Tanze aufspielten und neues Material präsentierten. Auf der Tour mit Centinex vor wenigen Jahren habe ich die Jungs zwar agiler und brutaler in Erinnerung, als Auftakt fürs PSOA war der Auftritt aber dennoch gelungen. Wie das jedes Jahr so ist: Unzählige Bekannte und Freunde treffen ein, Wiedersehensbiere werden verhaftet, kräftig Hände geschüttelt und die ersten Fachsimpeleien losgetreten und schwups hatte ich Deadborn verpasst.
Zu den ostdeutschen Farsot begab ich mich dann wieder vor die Bühne, verließ das Geschehen aber wieder nach einigen Songs, da Farsot live nicht halten was die Platten versprechen. Zu statisch, wenig zwingend und manchmal fast belanglos rumpelte der avantgardistische Schwarzkittelsound in die Dunkelheit, sorry.
Auch mit den nachfolgenden Skyforger, die leider nur mit einer Gitarre anrückten, wurde die Stimmung des ersten Abends noch nicht merklich besser. Zum Teil klangen die Songs einfach zu dünn, manchmal vorhersehbar, sicherlich aber verstimmter als das die Erfinder von Gitarren-Stimmgeräten je intendiert hätten. Den nachrückenden Massen scheinen die Nordlichter immerhin einigermaßen gefallen zu haben, unter dem Strich fand ich den Auftritt ebenso wie die mitgereisten Kumpels ziemlich verzichtbar.
Nach so viel schwachem bis durchschnittlichem Vorprogramm konnten Dismember eigentlich nur einen echten Siegszug antreten! Die schwedischen Death Metal Urgesteine böllerten auch sogleich los wie die Feuerwehr und präsentierten gleich zu Beginn einige neue Songs ihres aktuellen Albums »Dismember«, die live noch heftiger zünden und die Nackenmuskeln zum Schmerzen brachten.
Natürlich kann es eine Band bei so vielen Alben kaum jedem Fan Recht machen, dass die Schweden jedoch ihre größten Hits »Casket Garden« und das vehement geforderte »Dreaming In Red« nicht spielten, stimmte nicht nur mich ziemlich traurig. Gerüchten zufolge wären die Tracks für den Zugabenteil eingeplant gewesen, warum selbiger jedoch leider entfiel, entzieht sich meiner Kenntnis. An den euphorischen Reaktionen der Fans kann es sicherlich nicht gelegen haben. Unter dem Strich einer der besten Auftritt die ich von Dismember je gesehen habe, druckvoll, guter Sound und endlich waren Matti und seine Burschen zur Abwechslung mal nicht sturzbetrunken.
Den zweiten, bzw. ersten »richtigen« Festivaltag eröffneten die Hamburger von Irate Architect, die hochklassigen und virtuosen Brutal US Death Metal in die Menge ballerten und auf ganzer Linie überzeugen konnten. Den aktuellen, technisch hoch versierten Death Metal Longplayer-Batzen »Visitors« solltet ihr dringend mal antesten! Eine Band mit hohen Wachstumsreserven!
Die Stimmungskurve knickten Defloration leider ein klein wenig nach unten. Vielleicht waren auch die extrem gesächselten Ansagen etwas schuld daran, die man ohne einheimischen Übersetzer kaum ins Hochdeutsche übersetzen konnte. Solider Death Metal zwar, aber ohne wirklich Akzente zu setzen, schade.
Nebenher musste natürlich auch das Rahmenprogramm des PSOA gesichtet werden. Auch in diesem Jahr bekam der Hungrige reichlich vielfältige Auswahl zu relativ fairen Preisen geboten. Geschmeckt hat's auch und ich freue mich jetzt schon wieder auf die Nudeln im kommenden Jahr, ha ha. Hinzu kamen gut sortierte Plattenstände, beispielsweise von Nuclear Blast, Remission Records, Power It Up Records, Revenge Productions und einigen mehr, so dass dem unbeschwerten Geldausgeben bei fairen Preisen keinerlei Grenzen gesetzt waren. Leider blieb das Metal Hammer/Legacy Zelt relativ leer und farblos und im Gegensatz zu den Vorjahren konnte man von den dort stattfindenden Autogrammstunden kaum etwas mitbekommen.
Zurück zum Geschehen: Mittlerweile prügelten die schwedischen Old School Asis von Tyrant ihren schmutzigen Achtziger Black Thrash mit sanfter Crust/Death Note aus den Boxen. Zwar soundtechnisch nicht ganz so dick wie auf »Reclaim The Flame«, ihrem superben Debütwerk, aber dennoch heftig genug um die ersten Nackenwirbel anzuknacksen und den Bierkonsum merklich zu erhöhen. »Raw, Simple & Ugly« passte auf die Burschen wie die Faust aufs Auge. Auch Backstage gaben sich die Herren allergrößte Mühe durch ihren erhöhten Bierkonsum alle Tage über genauso aufzufallen wie durch die ein oder andere Schweißwolke. Dennoch, wirklich nette Burschen, die allzeit bereit zu schrägen Aktionen, Gesprächen und Kurzinterviews waren.
Für die Schwedenprofis unter euch: Basser Daniel Ekeroth ist übrigens der Autor des »Swedish Death Metal« Buchs, das absolut jeder Fan schwedischen Death Metals gelesen und verschlungen haben MUSS. Punkt.
Bei gut angeheizter Stimmung übertrafen die mörderischen Hail Of Bullets absolut alle Erwartungen. Die Holländer verwandelten bereits zur Nachmittagsstunde den Party San Acker in ein einziges Schlachtfeld, so dass die bitterbösen, lavartigen Old School Death Metal Rammen ihres Debüts »… Of Frost And War« nichts als verbrannte Erde und offene Münder hinterließen. Für mich der Gewinner des diesjähren PSOA, obgleich ich mit den »Stammbands« der Protagonisten (Asphyx, Thanatos usw.) eigentlich gar nichts anfangen kann. Gnadenlose Show, superber Sound, fette Wand. Mit diesem holländischen Death Metal Panzer ist in Zukunft absolut zu rechnen! Hoffentlich bleiben uns Hail Of Bullets noch lange Zeit erhalten!
Die US Death Metaller von Lividity konnten die Stimmungskurve nicht übertreffen, aber immerhin so gut wie halten, sind sie doch in den letzten Jahren zu einer musikalisch absolut ernst zunehmenden Referenz in Sachen Brutal US Death Metal geworden. Auch die initiierten Circle Pits und massiver Slam Dance trugen merklich zur super Stimmung bei, so dass die Amis mehr als nur überglücklich von der Bühne stolzieren konnten. Satte Grooves, fieses Gefrickel und absonderliche »Breeeeeeeee«-Knirsch-Schlürf und »Rückwärts-atmen-und-singen«-Vocals machten Lividity wirklich zu einem weiteren Highlight, auch wenn sich über die frauenfeindlichen Lyrics der Amis nach wie vor streiten lässt. Wie hieß es so schön? »It's not about Satan – It's about Pussy« Aha …
Die norwegischen Kampfar spielten nicht nur für meinen Geschmack deutlich zu früh. Der schwarzbeseelte Wikingerfrostsound der Band konnte einfach noch keine Wirkung erzielen, so dass die »bösen« Possen häufig eher für ein mitleidiges Lächeln als grimmiges Bangen sorgten, ungeachtet der Tatsache, dass das freilich einige hundert bis tausend Banger ganz anders sahen und Kampfar schön abfeierten.
Tyr von den Faröer Inseln schenkte ich mir im Anschluss, um bei Bier und Bratwurst neue Kraft für den heutigen Endspurt zu sammeln, den die nachfolgenden Unanimated zunächst etwas farblos begingen. Unanimated haben über zehn Jahre nichts von sich hören lassen und gehören in Teilen der Death und Black Metal Szene zu DEN schwedischen Kultbands, keine Frage. Das was aber von der Bühne runtergehobelt wurde, klang stellenweise leider doch relativ flach, vor allem weil kein richtiger Draht zum Publikum hergestellt werden konnte und personellerseits relativ introvertiert die Instrumente verhaftet wurden. Der Begriff Kultband wird eben doch nur allzu schnell vergeben und nicht jede Band, die sich nach vielen Jahren erneut an den Start macht, verdient es hochgelobt und wirklich beachtet zu werden. Zweifellos trieben sie einigen älteren Semestern so manche Freudenträne ins Auge, ich für meinen Teil bin trotz meinem dominanten Schwedenfaibles etwas enttäuscht gewesen.
Die norddeutschen Endstille aus Kiel sind seit langer Zeit mal wieder eine deutsche Band, die auch international richtig abräumt. Keine Spur von »Prophet im eigenen Land« oder so: Endstille sind mächtig gewachsen und lieferten eine bitterböse Show ab, die die Außentemperaturen beim PSOA schlagartig unter Null trieben. Die bitterböse Raserei und Keiferei von Endstille zeigte Wirkung und aus dem Party San Acker wurde ein ergebenes »Endstilles Reich«, passend zum Titel des neuen, bärenstarken und zwingenden Longplayers »Endstilles Reich«. Aus allen Ecken des Geländes trieb es wahre Legionen von Endstille Shirtträgern zusammen, die dem grimmigen Treiben ihrer Helden lautstark Tribut zollten. Sauberer Auftritt mit gutem »Hit-über-Feindflug« quer durch alle Alben!
Die nachfolgenden Bloodbath, besser bekannt als »Allstar«-Ansammlung illustrer schwedischer Metalhelden, hatten einen sauberen, unglaublich dicken Sound zu vermelden. Auch wenn mich deren Alben bisher nicht immer völlig überzeugen konnten, bleibt nur zu erwähnen, dass die Schweden live alle via Tonkonserve mitschwingenden »Plagiatgedanken« mit einem Wisch hinfort kehren konnten. Sänger Mikael Akerfeldt, der eine Woche zuvor noch mit Opeth auf dem Wacken einen mehr als lausigen Eindruck hinterließ, konnte am heutigen Festivalfreitag unter dem Banner Bloodbath auch noch den »Prince Charming Award« gewinnen: So viel Publikumsnähe und aufrichtige Begeisterung und Spielfreude sieht man sonst nur selten.
Bloodbath spielten ihr Programm wie eine gut geölte Nähmaschine und mit viel Spaß herunter, so dass nachfolgend auch dem Letzten klar geworden sein dürfte, welche Nation in Sachen Death Metal nach wie vor die Hosen anhat: Schweden! Klasse Auftritt!
Schon während des Bloodbath Auftritts verdichtete sich das Publikum vor der Bühne merklich, schließlich standen als Headliner Bolt Thrower an, die für ihren PSOA Auftritt nach »Rücksprache« mit ihrer Fanbase ein Wacken Angebot sausen ließen! Was für ein Underground Statement bzw. Understatement! Schon am Nachmittag spielten sich am eigens neben der Bühne für drei Stunden aufgebauten Bolt Thrower Merchandise Zelt unglaubliche Szenen ab: Bis zu einer Stunde musste mancher Banger warten, um zehn superfaire Euro für ein BT Shirt oder 15 Euronen für ein eigens angefertigtes Bolt Thrower Party San Longsleeve zu bezahlen. So mancher ging da mit drei, vier Shirts raus und ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich vermute, dass Bolt Thrower in Bad Berka locker 500-1000 Kleidungsstücke verkaufen konnten.
Bei Bolt Thrower spielten sich folglich auch auf der Bühne sowie davor unglaubliche Szenen ab: Ausgestattet mit einem wahren Panzersound wurden die alternden Briten nicht müde, ein ganzes Hitarsenal abzufeuern, bei der sowohl Freunde älterer Scheiben (»Realm Of Chaos«, »Warmaster«) als auch Späteinsteiger mehr als nur befriedigt werden konnten. Mit einem solchen Leistungsniveau, mit solch einer Spielfreude, einem solch fannahen Verhalten und vor allem Liebe zur Musik bleiben uns Bolt Thrower hoffentlich noch viele Jahre erhalten und ich behaupte bereits jetzt, dass man sich in 30 Jahren an Bolt Thrower als eine DER maßgeblichsten Bands in Sachen Death Metal erinnern wird. Ich für meinen Teil habe mir nach allen Regeln der Kunst die Birne abschrauben lassen und bevor ich den geneigten Leser hier mit Songtiteln zutexte, gehe ich lieber direkt zum Samstag über.
Das Aufstehen war schon deutlich erschert. Zwei harte Festivaltage in den Knochen zeigten Wirkung bei allen Beteiligten, so dass mancher zum Frühstück auf das Bier verzichtete, Wunden leckte oder den eigenen unerträglichen Schweißgestank mehr oder minder erfolgreich zu bekämpfen versuchte. Auch hier haben die PSOA Macher dieses Jahr eine deutliche Verbesserung zu vermelden: Das Duschcamp war einfach überfällig und wurde super angenommen. Und mal auf einer Keramik den Zwängen der Peristaltik zu fröhnen ist einfach ungleich erholsamer als auf einem Dixi. Super Idee, auch wenn die Schlangen teilweise wirklich anstrengend waren. Glücklicherweise gabs ja leckeren Kaffee zur Wartezeitverkürzung gleich nebenan. Das PSOA Frühstückspaket werde ich mir sicherlich auch nächstes Jahr wieder gerne geben, was auch an der einmal mehr herzlichen Bedienung liegt. Überhaupt kann man dieses Jahr nur sagen, dass die Stimmung bei allen Beteiligten, egal ob Bands, Veranstalter, Verkäufer, in den Futter- und Trinkbuden sowie bei den Fans deutlich entspannter war, woran sicherlich auch das gute Wetter großen Anteil trug, dass die letztjährige Schlammschlacht vergessen machte, auch wenn hin und wieder kleinere Schauer niedergingen.
Der Samstag startete mit den unbekannteren brasilianischen Imperious Malevolence, die beim PSOA sicherlich ihren bisher größten Gig gespielt hatten, da die stete Nervosität und die unsicheren, zum Teil lächerlich überzogenen Ansagen doch deutlich bzw. negativ auffielen, auch wenn die Burschen im Fahrwasser von Krisiun prinzipiell technisch alles richtig machten, wenngleich man für die Zukunft dringend auf individuellere Trademarks hinarbeiten sollte. Ich finde die Mucke ja wirklich ausgesprochen cool, nur leider gibt es tausend andere Bands, die genau das gleiche spielen und dabei auf der Bühne deutlich sicherer und überzeugender rüberkommen. Gute Ansätze sind schon mal da.
Insision aus Schweden sind seit langen Jahren immer eher nur ein Geheimtipp gewesen. Dafür spielen die Schweden einfach zu stark US orientierten Death Metal, der so gar nicht schwedisch klingen will. Handwerklich gut gemacht und einmal mehr mit Multitalent Daniel Ekeroth (Tyrant) am Bass an Board war der Gesamteindruck von Insision trotzdem eher durchschnittlicher Natur, auch wenn die mitangereiste, zahlreich vor der Bühne feiernde Schwedenbrüderschar sich redlich bemühte, Leben auf den Festivalground zu bringen.
Facebreaker, ebenfalls eine alte Schwedentruppe, holzten direkt nach Insision los und brachten dabei deutlich stärkere Thrash Roots in ihren Sound ein, auch wenn Facebreaker ebenfalls schrecklich schwedenuntypisch drauf los böllerten. Facebreaker waren stets bemüht, den Fans und Interessierten nach allen Regeln der Kunst das Hinterteil zu vermöbeln, so dass sich die Arbeitstiere ihren Applaus durch mächtig viel Schweiß redlich verdient hatten. »Dead, Rotten And Hungry«, den aktuellen Facebreaker Longplayer sollten sich Death Thrash Freaks durchaus mal zu Gemüte führen …
Koldbrann aus Norwegen waren im diesjährigen Billing scheinbar nur ein weiterer Füller. Überhaupt schien es sich dieses Jahr abzuzeichnen, dass man das hochklassige Perlen-Bandprogramm (Dismember, Bolt Thrower, Obituary, Endstille) durch ein paar Regionalligabands wie Koldbrann lediglich »aufgefüllt« hatte, so dass ich im Gegensatz zu den Vorjahren doch dieses Mal viel krassere Leistungs- und Stimmungsgegensätze zwischen den Bands feststellen konnte.
Überhaupt kam man dieses Jahr zu jeder Zeit gut bis in die erste Reihe vor, viele Leute blieben feiernd auf dem Campinggelände, hat ja auch was für sich. Insgesamt scheint es gerüchteweise eine leicht rückgängige Zuschaueranzahl gegeben zu haben, was aber sicherlich keinen der Anwesenden davon abhalten wird 2009 wiederzukommen, denn dafür war das PSOA 2008 insgesamt dann doch viel zu genial. Vielleicht sollte man aber nächstes Jahr wieder auf mehr Bandbreite setzen, und in Sachen Grindcore, Crustcore oder Black Metal mehr anbieten. Das stark Death Metal bzw. Old School Death Metal orientierte Billing dieses Jahr ist eben nicht jedermanns Geschmack gewesen, auch wenn ich wie viele tausend andere natürlich extrem glücklich über die gute Old School Bandauswahl war.
Ich war bei Koldbrann stehen geblieben. Außer dem Eindruck einer hektisch unsortierten bis schwer nachvollziehbaren Band ist kaum etwas geblieben.
General Surgery aus Schweden hatten nachfolgend als einzige wirklich stark Grind orientierte Band einen schweren Stand, sind doch die Fanscharen dieser Stilrichtung dieses Jahr merklich ausgeblieben. General Surgery schaffen es zwingende, brutale Alben einzuspielen, auf der Bühne hingegen präsentieren sich die alten Herren deutlich zu müde und zu schwerfällig. Das Nicht-Funktionieren des Gesangs-Harmonizers führte zu allem Überfluss dazu, dass sich der Gesang nicht wie gewohnt präsentierte und die Songs zusätzlich abschwächte.
Eine gute Liveband sind die statischen Schweden noch nie gewesen und auch der diesjährige Auftritt beim PSOA war wohl nur etwas für echte Fanatiker und Fans. Soundtechnisch war der Auftritt kurioserweise sehr undifferenziert, wenn nicht gar schlichtweg schlecht, so dass es mir einige Mühe abringte, General Surgery bis zum Schluss zu verfolgen. Sehr schade.
Bisher also nur Mittelmaß am Samstag und nicht nur ich trauerte einem derart von Highlights gespickten Festivalfreitag nach. Vreid habe ich mir nach General Surgery schon nicht mehr anschauen wollen, was für ein Glück hingegen, dass ich bei Maroon immerhin noch die letzten drei Stücke am Start war. Maroon passten keineswegs ins Billing, schafften es aber ganz klar, die Massen vor der Bühne zu halten, zu dicken Circle und Mosh Pits zu motivieren und ließen erstmal gut gelaunte Feierstimmung aufkommen.
Maroon ackerten wie die Berserker und trafen mit ihren Metalcore Granaten direkt ins Schwarze, obgleich einige intolerante Spaßverderber bzw. Arschlöcher es sich nicht nehmen ließen, die als Veganer bekannten Maroon mit rohen Bratwürstchen zu bewerfen. Sehr geschmacklose, dämliche und bescheuerte Aktion, die Maroon nicht davon abhielten, ganz einfach ihr Ding durchzuziehen. Ich fands entgegen jeglicher Erwartungen absolut klasse was die Deutschen da auf der Bühne für ein Hitfeuerwerk abbrannten! Ab sofort haben mich Maroon als Fan hinzugewonnen, Punkt. Geiler Auftritt einer sehr sehr guten Liveband.
Noch schnell zwei Bier in den Kopf und dann konnte es losgehen: Als ausgemachter Impaled Nazarene Fan habe ich die Finnen schon einige Male live gesehen, aber noch nie in einer derart bestechend guten Form wie in Bad Berka. Berufscholeriker Mika, seineszeichens Sänger und Aushängeschild der Finnen, habe ich noch nie mit derart viel Energie und Spaß in den Backen auf der Bühne erlebt. Auch der Sound war klar, flüssig und dick wie Blut! Herrlich! Quer über alle Veröffentlichungen hinweg knallten die derzeit wieder einmal schwer umstrittenen Impaled Nazarene einen wahren Hitmix in die wachsende Masse vor der Bühne, so dass die euphorischen Reaktionen des Publikums mehr als nur verständlich waren.
Auch ein rosaroter Gummiball, der häufiger auf die Bühne flog und von Mika mit einem lächelnden »Ich dachte, das hier ist eine Metalshow?!« zurückgekickt wurde, konnte die Finnen nicht von ihrem Siegeszug auf ganzer Linie abbringen. Sicherlich, nach der Hälfte der Show kennt man »alle« Songs und weiß, dass kaum Unerwartetes mehr passieren wird, gut gemundet hat der Gig aber dennoch; vor allem aber entschädigt für so einiges, was nachmittags noch als pures Mittelmaß von der Bühne gepustet wurde. Grandios!
Legion Of The Damned hatte ich zunächst als überflüssig in meinem Kopf gespeichert gehabt. Warum der Occult Nachfolger derzeit solch ungeahnte Erfolge einfährt, erschließt sich mir, was die plattentechnische Seite betrifft, keineswegs. Als die Holländer aber nach Verschallen ihres bombastischen Intros von der ersten Sekunde an Hölle machten ohne Ende, einen messerscharfen Gitarrensound auffuhren und mit höchster Agilität die Massen zu schlachten begannen, klickte es in meinem Hirn. Mit solch einer Spielfreude und derart heftigen Abrissbirnen können es die Holländer locker mit Slayer aufnehmen, an deren Thrash Thron fortan im Käseland heftigst gesägt wird.
Legion Of The Damned haben mich auf ganzer Linie sehr positiv überrascht und meine Einstellung zur Band nachhaltig geändert, das schafft nicht jeder. Folglich zog der Auftritt massiven Bierdurst nach sich. Ein letztes Mal wurden die angrenzenden Plattenstände nach übersehenen Juwelen durchforstet, auch die letzten alten Bekannten endlich gesichtet und begrüßt, so dass wir gut gestärkt die beiden letzten Bands des diesjährigen PSOA angehen konnten.
Behemoth, DIE polnischen und vielleicht besseren Morbid Angel, ließen sich lange bitten und schraubten immer wieder an Sounddetails. Die lange Wartezeit wurde schnell entschädigt durch einen breiten, klaren Sound, der gestützt wurde durch eine superbe Licht- und Feuershow. Auch das Bühnenbild passte, so dass hier auf Weltniveau 45 Minuten lang einzigartig demonstriert wurde, wie schnell und bis an welche physischen Grenzen stoßend man Death Metal eigentlich noch spielen kann.
Leider kamen die Show und die Ansagen reichlich arrogant rüber, angesichts des abgelieferten Hammerpakets, der Songauswahl und Brutalität dürfte aber fast jeder der zigtausenden Anwesenden darüber hinweggesehen haben, schließlich waren die Reaktionen des Publikums sicherlich zurecht absolut enorm euphorisch. Behemoth wissen einfach wie es geht. Aus der einstigen Black Metal Truppe ist ein wahrer Death Metal Killer geworden, möglicherweise einer der professionellsten noch dazu. Hammer.
Was sich beim Headliner Obituary danach abspielte ist mit dem überaus schwachen und laschen Auftritt eine Woche zuvor beim Wacken Open Air keineswegs zu vergleichen. Die alten Florida Death Metal Helden knackten zum Abschluss nun auch noch die allerletzten Wirbel der Fans und entfachten ein wahres Death Metal Inferno, das vor Groove, Brachialität und Urgewalt nur so strotzte. Einzeln genommen klingen die Gitarren von Obituary immer noch nach Pappe und das Drumsolo war sicherlich ebenso überflüssig wie die lausige Celtic Frost Coverversion, unter dem Strich hat mich aber trotz allem kaum eine andere Band beim Party San dieses Jahr so schön umgeblasen wie die Show der alten Herren aus Florida. Kaum zu glauben, dass diese Band bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat! Egal ob vom Debüt »Slowly We Rot«, der Überscheibe »Cause Of Death« oder neuere Songs von »Xecutioner« – Obituary dominierten das Geschehen und haben wohl allen Fans ein wehmütiges Grinsen ins Gesicht gezaubert: »Wehmütig«, weil das Ende von Obituary das Ende des Party San 2008 bedeutete und nun ein hartes Jahr Wartezeit anbricht, ein »Grinsen«, weils einfach nur geil war ...
Kurze Rede, langer Sinn: Das Rahmenpaket des Party San ist einfach perfekt, die Organisation rundum gelungen und was den Party- und Spaßfaktor betrifft ist das Party San einfach das Festivalhighlight des Jahres. Vielleicht sollte ich mir nächstes Jahr nicht wieder fast alle Bands ansehen, um nicht zu sehr abzustumpfen und so manchen vielleicht geilen Auftritt dadurch als Durchschnitt zu deklarieren. Ich bin mir aber sicher, dass das Party San 2009 mit etwas mehr stilistischer Abwechslung auch im kommenden Jahr wieder das Highlight der deutschen Festivalszenerie werden wird. Ein wirklich gelungenes Fest mit keiner einzigen wirklich schwer enttäuschenden Band, dafür aber ein Hochgenuss einiger internationaler Erstligatruppen, die allesamt die Erwartungen erfüllen bis spielend übertreffen konnten.
Dirk

weitere Links
Interviews:

Interview: Irate Architect, 12.04.2008 Tote Damen in muffigen Leichenhallen?!
Interview: Maroon, 22.03.2006 man sollte sich schon gut verstehen, sonst können vier oder sechs Wochen Tour ganz schnell zu Zerreissprobe werden
Interview: Endstille, 13.07.2005 Lieber Kapitän sein anstatt Decks zu schrubben
Interview: Bloodbath, 05.12.2002 Bloodbath beseitigt den Schmutz!

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: General Surgery - Left Hand Pathology
CD-Review: Irate Architect - Visitors
CD-Review: Irate Architect - Born Blood Portrait
CD-Review: Behemoth - The Apostasy
CD-Review: Behemoth - Demigod
CD-Review: Defloration - Necrotic Nightmares
CD-Review: Defloration - The Bone Collection
CD-Review: Defloration - Dripping With Blood
CD-Review: Obituary - Frozen In Time
CD-Review: Maroon - When Worlds Collide
CD-Review: Endstille - Navigator
CD-Review: Endstille - Dominanz
CD-Review: Bloodbath - Ressurection Through Carnage

Live-Reviews:

20.01.2006: Hypnös, Centinex, Purgatory, Demonity, Like Thousand Suns (Paderborn, Kulturwerkstatt)
18.08.2006 bis 19.08.2006: Summer Breeze 2006 (Dinkelsbühl)
02.06.2006 bis 04.06.2006: Rockhard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)
26.01.2002: Bolt Thrower, Benediction, Fleshcrawl, Disbelief (Kallewerk, Bad Salzungen)
04.08.2005 bis 06.08.2005: 16. Wacken Open Air (Wacken)
16.06.2001: Ewiges Reich, Wald, Dornenreich (Hessisch Lichtenau, Jugendzentrum)
13.04.2001: Epicedium, Jack Slater, Harmony Dies (Musikförderverein Kassel)


Diese Seite wurde 0 mal kommentiert

Kommentar schreiben







1
 Bilder
Bolt Thrower
Bolt Thrower
Dismember
Dismember
Endstille
Endstille
Impaled Nazarene
Impaled Nazarene
Legion Of The Damned
Legion Of The Damned
sonstige
sonstige
Unanimated
Unanimated
Artikel
diesen Artikel per Email verschicken:
Email
 Suchen
In den Live Reviews nach:
am meisten gelesen:
Bewertung
Artikel bewerten:

Stimmen: keine
Punkte: 0/5
Partner
Thundering Records
Remission Records
Firefield Records
SPV
Statistik
1590 CD-Reviews
282 Underground-CDs
24 DVD-Reviews
159 Interviews
124 Live-Reviews