Live-Reviews

Swedenrock-Festival

05.06.2007 bis 09.06.2007, Sölvesborg (S)

Dienstag, 05.06.07

Des Morgens trübe Schleierwolken klaren sich auf, die Wolken räumen das Himmelsfeld ...
Gleiche Zeit, gleicher Platz, gleiches Wetter, viele bekannte Gesichter vom letzten Jahr gleiche Festivalbedingungen! Ungewöhnliches findet sich in Schweden zu Hauf: Z. B. der Katastrofvagn. Dieses der Ambulanz zugehörige Fahrzeug schimpft sich hierzulande Krankenwagen. Ein Schwedisch-Übersetzer ist dieses Jahr überfällig. Rike und ich sind beeindruckt von der schwedischen Kultur. Schweden als zweites Heimatland wäre durchaus denkbar. Unberührte Natur, erstklassiges Sozialverhalten, die Leute in Schweden sind ein ganz anderer Menschenschlag. So nett, freundlich, aufgeschlossen, ehrlich und offenherzig. Wir mögen die Schweden - auf jeden ...! Prima Umweltschutz, eine lustige Sprache, aber definitiv zu teures Bier!!! Ausnahme: Pripps Bla; Das gibt's schon für zehn Kronen, das ist umgerechnet etwa 1 Euro!
Wasser und Cola sind ebenfalls davon betroffen, allerdings gibt's hier die beste Schokolade überhaupt: Wer noch nie Mjölk-Schokolade = Milchschokolade von Marabu probiert hat, trägt selber Schuld! Das hügelige Gelände, die unbelassene Natur, überall Abfalltonnen zur Müllentsorgung das herrliche Klima, ja in Schweden fühl' ich mich wirklich prima! Auch diesmal gibt's reichlich kurioses zu entdecken, wie z. B. das Schild Pisse Nisse - wir haben uns fast beschifft vor Lachen und bis heute nur eine leise Vermutung, was es damit auf sich hat.
Vielleicht steht der Name für eine Toilettenwagenfirma, zumindest käme dies in Betracht. (Nein, Baja Maja heisst der WC-Reinigungsservice) oder ist damit etwa die bei uns in Deutschland von diversen Festivals oder Kirmessen bekannte Piss-Rinne gemeint? Das Schwedenrockgelände ist erreicht, die Spannung steigt! Gegen 23:00 Uhr am Abend spielen wie letztes Jahr Gabria im Restaurang-Zelt. Diesmal treten vergleichsweise zum letzten Jahr pro Tag mindestens vier oder fünf bisweilen unbekannte Bands auf. Kleinere Headliner stehen ebenfalls im Plan. Klasse! Gabria kommen aus Sölvesborg und sind an diesem Abend lokaler Headliner. Alles weitere hierzu wird von Rike wie folgt berichtet:

Gabria (05.06.07, Restaurang-Stage, im Zelt)

Am Vorabend unseres zweiten SRF warten wir schon gespannt auf die Band, mit der wir schon letztes Jahr am gleichen Ort das Festival begonnen hatten. Als dann die drei sympathischen Schweden um 11:11 Uhr pünktlich zehn Minuten zu spät die Zeltbühne betreten, kocht das bis zum Platzen gefüllte Zelt über, zumal sie jetzt sehr viel mutiger als letztes Jahr geworden sind.
Nur noch drei Coverversionen, bei allen anderen Songs handelt es sich diesmal um Eigenkompositionen. Rick Evans Sänger/Bassist und Johnny Wild bersten vor Spielfreude. Mittels bestens getimten Posing, Stageacting und lockeren Sprüchen bringt Gabria-Fronter Rick mitsamt seiner Mannschaft das gesamte Zelt zum Beben!
Bei diversen Hymnen z.B. »We Are Rockers«, »I'm Here To Rock«, »Keep Me Burnin'« usw., die alle Ohrwurmcharakter besitzen, geht total die Post ab! Während des gesamten Gigs herrscht überall im Zelt ausgelassene Fetenstimmung. Das Publikum tobt! Beim als Zugabe gebrachten Kiss-Cover »Rock 'n' Roll All Nite« baut die Band ganz im Sinne ihrer großen Vorbilder Mitsingparts ein. Gabria räumen auf ganzer Linie ab. Eines ist sicher: Diese Band könnte eines Tages ganz groß rauskommen. Rike

Mittwoch, 06.06.07

Alles ist (noch) in bester Ordnung, meinem Zahn geht's gut. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr an späterer Stelle dieses Berichts. Bewölkter Himmel. Düstere Aussichten für's Swedenrock? Eher weniger. Die Wolken verdichten sich, es wird kühl. Zeit, nach kurzem Blick gen Himmel gleich die erste halbe Tafel Mjölk-Schokolade zu killen. Dabei soll es dann ironischerweise auch bleiben.

Blackbush (06.06.07, Gibson-Zelt)

Gut, dass wir unser Zelt bereits am Montag aufbauen dürfen, da uns die Flugpläne keine andere Möglichkeit des Anreisens lassen. Nach dem erfolgreichen Gabria-Gig am Vorabend des Dienstags entschließen wir uns spontan mal für den Abstecher im Gibson-Zelt, wo zahlreiche unbekannte Bands ohne Vertrag auftreten. Eine davon heisst Blackbush. Die Band überzeugt mit knallhartem Schweine Rock, der wuchtig über's Gelände dröhnend, jeden einzelnen Halm unterhalb der Grasnarbe atmend plattwalzt! Der blonde Sänger mit den Rastalocken feuert immer wieder das Publikum an, das sichtlich Spaß an den vierzig Minuten hat, die Black Bush zwecks Mini-Gig zur Verfügung stehen.
Die Band tritt kräftig Arsch. Satte Rotzrockmucke mit hohem Tempo und derber Kick-Ass-Attitüde hallt durch's Zelt, bestens zum Anheizen für größeres Publikum geeignet. Ahhhh ... jetzt bin ich wach! Labels, erbarmt euch: Gebt den Jungs nen' Vertrag!
Wie weit Black Bush beim Bandcontest der ungesigneten Acts gekommen sind, ist ungewiß. Die Chancen weit vorn zu landen könnten durchaus nicht schlecht stehen, wenn da nicht mindestens reichlich viele andere Bands wären, die ebenfalls im Rahmen des viertägigen Schwedenrockfestivals ihr Talent unter Beweis stellen dürfen.
Keine Frage: Die Stars von Morgen werden auf solchen Bühnen geboren; zweifelsfrei Im Namen des Rock 'n' Rolls. Black Bush waren genau das Richtige, sie haben meinen schlafenden Geist wachgerüttelt. Langsam fange ich an, umzudenken, mir wird bewusst: - Urlaubszeit, wir sind in Schweden! Toschi

Randy Piper's Animal (06.06.07, Zeppelin-Stage)

Randy Piper's Animal eröffnen den Schwedenrock-Mittwoch auf der um die Ecke unseres Zeltplatzes gelegenen Zeppelin-Stage. Randy Piper, der Begriff dürfte vor allem WASP-Fans bekannt vorkommen. Dass sich hinter dem reichlich exotisch klingenden Band Namen Ex-WASP-Gitarrist Randy Piper verbirgt, leuchtet vielleicht nicht gleich jedem ein.
Neben Eigenkompositionen haben Randy Piper's Animal natürlich spezielle WASP-Kompositionen im Köfferchen, denen kräftig Appetit anregender Partystimmungsfaktor innewohnt. Mit »The Hellion Wild Child« und »I Wanna Be Somebody« sowie Krachern Marke »The Morning After« gelingt es der Hardrocktruppe um Bandleader Randy Piper das frenetisch jubelnde Auditorium bei steigender Hitze gleich zur frühen Nachmittagszeit völlig aus dem Häuschen zu bringen.
Randy Piper's Animal räumen total ab. Die Fans drehen serienweise durch und nebenbei gibt sich im Anschluß des Randy Piper's Animal-Lehrstündchens der Chef des größten schwedischen Fernseh- und Radiosenders auf der Bühne ein Stelldichein. Zunächst lustig posierend, anschließend einige Faxen machend, hält der Mann eine rührende Ansprache, obwohl wir leider kaum ein Wort schwedisch verstehen.
Die schwedische Nationalhymne im Metalgewand? Richtig! Overdrive-Gitarrist Janne Stark wird hierfür extra auf die Bühne gebeten. Ehe sie sich recht versehen, werden die Verfasser dieses Artikels unbeabsichtigt zu Teilnehmern des schwedischen Nationalfeiertags, dessen feierliche Zeremonie für uns ungeplant, mindestens fast zwei Stunden vorverlegt stattfindet, völlig überrascht. Wir feiern und grölen ebenso ausgelassen vor der Bühne wie die jubelnden Schweden, uns ohnehin wundernd, was dort abläuft, ob da nicht einiges an diesem Tag um uns herum mit seltsamen Dingen zugeht in Schweden. Auf jeden ...! Toschi

Radio P4 ist die größte Radiostation Schwedens. Sie hat nur einen Radiokanal, macht aber ihren eigenen Festival-Mitschnitt, den man später käuflich erwerben kann. Das Randy Piper-Konzert wird aufgezeichnet und in ganz Schweden übertragen! Im Rahmen des schwedischen Nationalfeiertags wird ein Livestream der schwedischen Nationalhymmne in metallischer Version auf der Bühne vorgetragen, wobei u. a. Janne Stark von Overdrive und zwei weitere in Schweden sehr bekannte Metalmusiker unter donnerndem Applaus seitens der nunmehr dreimal so zahlreich erschienen Fanscharen ihre Fähigkeiten an Gitarre, Bass und Drums zum besten geben, erfolgt unter Leitung vom schwedischen Showmaster »Loffe«, der in seinem Heimatland etwa mindestens ebenso bekannt ist wie Thomas Gottschalk bei uns.
Gesagt, getan. Die schwedische Nationalhymmne wird in einer kernigen Metalvariante gespielt. Hunderte Fans haben sich bereits vorm Anstimmen auf dem Platz versammelt, singen, tanzen jubeln und gröhlen begeistert mit. Schweden ist stolz auf seine jahrhundertelange Kultur und kann es auch sein, - super nette Leute, gepflegte Landschaften, ein Top Gesellschafts- und Sozialbewusstsein, in solchen Momenten fühlt man sich selbst wie ein waschechter Schwede! Toschi und Rike

Wolf (06.06.07, Zeppelin-Stage)

Im Studio hui, live eher pfui. Ganz passabel, mehr aber auch nicht. Zwar gibt sich der ebenfalls aus Schweden kommende Vierer im Vorabendprogramm von Annihilator und Nocturnal Rites alle Mühe, feuert gleich bündelweise Power-Speed-Salven ins Publikum, doch irgendwie wollen die Songs einfach nicht zünden.
Einzige Ausnahme: »Evil Star«! Beim besten Stück der im Studio restlos überzeugenden Band geht's tatsächlich mal ein bisschen ab. Bis auf einige Fans in den vorderen Reihen können die in zahlreichen Hard 'n' Heavy-Magazinen hoch gelobten Schweden im Übergang vom späten Nachmittag zum frühen Abend kaum etwas reißen. Das Quartett müht sich redlich, weiß jedoch irgendwie nicht so recht zu überzeugen. Das Stimmungsbarometer sinkt ..., - unsere Vorfreude auf Nocturnal Rites steigt! Toschi

Nocturnal Rites (06.06.07, Zeppelin-Stage)

Nocturnal Rites hinterlassen als Kontrast zum schwachen Wolf-Gastspiel ein völlig umgekehrtes Bild auf der Zeppelin-Stage. Wer immerhin bislang acht brilliante Melodic-HM-Scheiben erlesenster Güte veröffentlicht und seither durch harte Arbeit und konstante Leistungen besticht, dürfte keine Probleme damit haben, das ungeduldig vor der Bühne wartende Fanvolk zu motivieren.
Gesagt, getan. Nocturnal Rites entern pünktlich das Plateau mit zahlreichen Jokern im Ärmel, die allesamt stechen. Die Melodic-HM/Powermetalband erhält am frühen Abend reichlich Zuspruch, was sich des öfteren in extrem lautstarken Begeisterungsstürmen nieder schlägt. Die Melodic-Metaller bringen dank solider Leistung und passend gewählter Songauswahl das Publikum vor der Zep-Stage gleich serienweise ins Schwitzen, wobei es völlig egal ist, ob Stücke älteren oder neueren Datums gespielt werden.
Knackige Metalhymnen als da zum Beispiel wären: Afterlife, Iron Force und ein knappes Dutzend mehr schrauben das Stimmungslevel an diesem Abend enorm hoch, fast der gesamte Platz tobt! Jeder Song wird von der kräftig abhottenden, jubelnden und -bangenden Fanmeute nach Belieben abgefeiert. Am Ende fordert das Publikum eine verdiente Zugabe, die es auch bekommt. Mit dem bären-starken Gig hat der konstant hochkarätige Schwedenfünfer viele neue Fans hinzu gewonnen. Die beste schwedische Melodic/Powermetalformation heisst einmal mehr Nocturnal Rites!!! Toschi

Annihilator (06.06.07, Zeppelin-Stage)

Den Amerikanern bleibt es vorbehalten, für eine weitere Steigerung des beileibe wirklich nicht schlechten Nocturnal Rites-Gigs zu sorgen. Nocturnal Rites haben kräftig vorgelegt, der Headliner muss jetzt ordentlich Gas geben. Um das angeheizte Publikum bei Laune zu halten, bedarf es einer gewaltigen Steigerung. Die stellt sich erwartungsgemäß als relativ unproblematisch heraus, vor allem, wenn der Co-Headliner des Abends Annihilator heisst.
Jeff Waters und seine Mannschaft sind jederzeit Herr im Haus. Der Annihilator-Mastermind könnte durchaus als Yngwie Malmsteen des Speedmetals angesehen werden: Unglaublich mit welcher Leichtigkeit der Kerl das komplette Griffbrett seiner knallroten Flying V bearbeitet und dabei mit einem geradewegs unglaublichen Stageacting in unterschiedlich geilen Posen glänzt.
Der Annihilator-Boss wirkt als hätte er Hummeln im Hintern. Von links nach rechts und umgekehrt springend und dabei eine Gitarrensalve nach der anderen ins Publikum feuernd, ist es stets eine Augenweide Mr. Waters und dessen erfahrene Bühnencrew in Action Zu sehen.
Das unglaubliche 2003er-Wacken-Gastspiel des Vierers in bester Erinnerung, weiß ich mit hundertprozentiger Bestimmtheit, dass heute Abend ein ganz heißer Tanz bevor steht. Derart aggressives Stageacting, das beinahe vom ersten gespielten Takt ganze Massen mobilisiert, bringen nur wenige Bands zu Wege. Folglich ist auch nur wo Annihilator draufsteht, Annihilator drin.
Das im Bühneloge stehende Wort Metal (so der Titel des frisch veröffentlichten Annihilator-Outputs) kann bei dieser Kapelle für bare Münze genommen werden. Der Speedmetalvierer versteht es wie kaum eine andere Band, binnen weniger Minuten ein Publikum derart zum Ausklinken zu bringen, dass niemand lange unbeteiligt rumsteht oder beide Hände in der Hose klebend »Taschenbilliard« spielt.
Zahlreich gen Himmel gestreckte Hände sind Resonanz genug. Spätestens beim dritten Stück bilden sich erste intensive Moshpits, die sich sogleich ziemlich schnell in größere Pogopits verwandeln. Annihilator treten wie gewohnt mächtig Arsch und nebenbei einen Siegeszug auf ganzer Linie an. »King Of The Kill«, »The Fun Palace«, »Never Neverland«, »W.T.Y.D. (Welcome To Your Death)«, vollkommen wurscht welche Nummer Annihilator bringen, grenzenloser Jubel und Beifall brandet den Amis entgegen.
Gegen Ende der regulären Spielzeit bedankt sich Jeff Waters sichtlich gerührt beim Publikum, wobei der vom Swedenrock-Publikum beeindruckte Bandleader unter kräftigem Applaus erwähnt, dass seine Band heuer bis dato das erste Mal in Schweden auftritt und nach diesem erfolgreichen Gastspiel künftig des öfteren dort touren werde, wobei der Annihilator-Frontmann lobende Worte für's Festival findet.
Das Beste hebt sich der Amivierer für's Finale auf: Mystische Klänge des Intros »Crystal Ann« kündigen die unverwüstliche Kulthymmne an: »Alice In Hell« - jener Song, der noch einmal sämtliche letzten Kraftreserven von Band und Fans gemeinsam im Dreikronenland freisetzt, ehe Annihilator ebenso wie diverse hoch zufriedene Fans die Zep-Stage verlassen, womit ein gelungener Schwedenrock-Auftakt-Abend vorläufig sein verdientes Ende findet. Fast, aber nicht ganz.
Im Anschluß wartet The Australien Pink Floyd Show auf uns: - Abspacen inclusive ...!?!?!? Toschi

The Australian Pink Floyd Show (06.06.07, Sweden-Stage)

Der Headliner des ersten Tages bringt gegen Mitternacht ein kunterbunt gemischtes Programm aus dem gewaltigen Fundus der Band, die unzählige Rockgenerationen nachhaltig beeinflusst hat, wie kaum andere vor ihr: The Australian Pink Floyd Show lässt zahlreiche Klassiker neu aufleben. Der glasklare Sound auf der Swedenstage reicht exakt bis auf den aller leisesten Ton und Akkord an's große Vorbild unzähliger Rock-Generationen heran.
Unglaublich wuchtig, laut, atmosphärisch und intensiv drücken Nummern wie »Shine On You Crazy Diamond«, »What Do You Want From Me«, »Time«, »The Wall« ins Gehör. Jede Menge Bombast und erstklassige Backgroundsängerinnen beamen uns zielsicher ins Nirvana. Die Zeitmaschine ist gestartet ... unterwegs in Richtung Siebziger, kitzelt effektiv Gefühlswelten heraus und fördert Bilder in unseren Gedanken, deren Spirit Träume, Bewusstseinsebenen, Sehnsüchte vieler Generationen wieder spiegeln.
Hmmm ... was immer ich da jetzt festhalte, - ja auch ich bin wie viele derart abgespacet, dass ich gar keine Drogen benötige, um mich willenlos den Träumen dieses Zustandes überlassend auf Reisen in andere Welten, höhere bzw. tiefere Sphären und bizarre Dimensionen zu begeben, die der Realität sonst verborgen bleiben. Zigaretten? Dope? Keine Chance! Hochprozentige Spirituosen, Wasserpfeife? Überflüssig! The Australian Pink Floyd sind zeitlos genial, einfach nur ohne Worte zu genießen. Das spacige Erlebnis kommt etwa zur Hälfte der Show, als uns Nocturnal Rites Manager Mats begegnet, oder wir ihm, der uns von sich aus anspricht (wir kannten ihn vorher nicht), worauf wir sogleich mit Nocturnal Rites-Drummer Owe Lingvall Bekanntschaft schließen und obendrein nen hübsches Foto mit dem großgewachsenen Hünen schießen. Nebenbei bekommen wir gleich einen Termin für's nächste Interview mit dem schwedischen Melodic-Metal Aushängeschild, worauf sogar die Einladung für ein kleineres Festival in Schweden mit mehreren bekannten Bands wie Hypocrisy usw. folgt.
Falls ihr euch fragt, wie, wodurch und weshalb das alles möglich ist ...? muss an dieser Stelle beteuert werden: Ich weiß es nicht ... doch eines ist gewiß ...da waren weder Spacecakes, noch Glimmstengel, Hash- oder Grastütchen, hochprozentiger Alkohol, Blubba (Wasserpfeife, Pfui Teufel!) oder andere in welcher Form auch immer halluzigen wirkenden Hilfsmittelchen und Drogen im Spiel ... yeah, echt spacig, der Trip ... - ungewohnt, trotz abendlicher Kühle innerlich warm und obendrein veeerdaaamt gut! Frage mich allen Ernstes keiner, ob oder was diese Zeilen bedeuten?!? Toschi

Donnerstag, 07.06.07

Mittagszeit: Gelegenheit, etwas zu Essen. Das Malheur beginnt langsam und schleichend. Die Schmerzen im rechten Unterkiefer werden stärker. Ich merke, dass sich irgend etwas im Mundwinkel gebildet hat. Muss wahrscheinlich eine Schwellung sein. Wasser und Colatrinken hat keinen Sinn, sobald es nach zwei, drei Schluck den bestimmten Mundwinkel berührt, verstärkt sich mein Schmerz. Während auf der Swedenstage die Bluestone Company mit Chris Duarte satt und kraftvoll rockt, dass mich beinahe alle guten Geister verlassen, sitzen wir vorm Swedenrock-Shop, trinken Fanta Exotic Thrill und Essen Schnitzel mit Pommes. Mahlzeit!
Das Essen knapp geschafft, treten die Schmerzen jetzt verstärkter auf. Ich betäube sie mit einem alten Hausmittel, einer alkoholgetränkten Flüssigkeit, was zumindest ersteinmal lindernd wirkt. Die Bluestone Company mit Chris Duarte hingegen habe ich leider verpasst. Ein sehr interessanter Geheimtipp, den ich mir merken muss, weshalb ich mir den Bandnamen sogleich notiere und die nötige Erkundigung im Swedenrock-Shop fällig wird.
Nach Ende des Heaven and Hell-Konzertes weiß ich mehr. Bis dahin tappe ich zunächst im Dunkeln. Ähnlich ergeht es uns mit den schwedischen Prog-Metallern Anekdoten (nein, ich will hier keine solche erzählen!), die es uns einen Tag später mit ihren sehr spacerockigen Elementen ungemein angetan haben.
Meine Nudeln kann ich kaum mehr essen, ebenso bin ich nicht mehr in der Lage, meine Cola auszutrinken, da unerwartet heftige Schmerzen im Unterkiefer jegliches Ess/Trinkvergnügen schon im kleinsten Ansatz unterbinden. Der Freitag wird zum Leidensweg, die unangenehmen Schmerzen zur Qual. Vielen Dank dafür, Mr. Ex-Zahnarzt!!! Immerhin sind sie am Donnerstag noch nicht im fortgeschrittenen Stadium, so dass ich mir glücklicherweise dank zumindest kurzweilig schwacher Überbrückung durch oben erwähntes Hausmittel Lion's Share, TWDSE, Meat Loaf, Dimmu Borgir und Heaven And Hell geben kann, damit bin ich im Nachhinein gesehen, gemessen an der Situation, noch richtig gut weg gekommen!
Das Dicke Ende kommt spätestens am drückend heißen Freitag, der im wahrsten Sinne des Wortes zu meinem »freien« Tag wird. Welch ein Urlaub! Dem Zahnarzt sei Dank. Toschi

Lion's Share (07.06.07, Zeppelin-Stage)

Düstere Midtempo-Doom-Anleihen und klassischer HM ergeben zusammen eine hochexplosive Mischung, die am Nachmittag auf der Zeppelin-Stage unerwartet heftige Wirkung entfaltet. Lion's Share zaubern eine volle Ladung intensiv groovender Nummern (»Toxication Rain«, »The Edge Of The Razor« usw., ) aus dem Hut und sorgen für einen prima Nachmittag. Binnen kurzer Zeit hat die im Bereich der Zeppelin-Stage restlos überzeugende Band aus Schweden das Publikum auf ihre Seite gezogen. Die Coverversion des Angelwitch-Klassikers »Sorcerers« bestätigt mein Gefühl, das mich während der gesamten Dauer des Lions Share-Gigs überkommt: Die Band klingt mehr britisch (Angelwitch, Grim Reaper, Black Sabbath usw. lassen grüßen!) als typisch schwedisch, was den wirklich enormen Reiz dieser tollen Formation ausmacht!
Der Name Patrick Johansson (genau: die Stimme von Astral Doors!), dürfte echten Insidern sowieso bekannt sein.Gnadenlose Killerhooks, langgezogene, klassische Leadgitarrensoli, pumpende Bässe, ein wunderbar schepperndes Drumkid und das Organ des Fronters erinnern zeitweise recht deutlich an die frühen Anfangsjahre der NWOBHM gemischt mit einem guten Schuß Black Sabbath zur Toni Martin-Phase.
Patrick Johannson kann oder will (?) nicht anders, was in Bezug auf Lion's Share durchaus seine Vorteile hat. Eine Stunde traditioneller Oldshool-Metal mit starker NWOBHM-Schlagseite zum ausnahmslosen Abfeiern, Bangen, Wohlfühlen und Genießen. Die engagiert auftretende Band gibt ihr Bestes, das Publikum ebenfalls. Nach sechzig Minuten Lion's Share sind alle rundum zufrieden. Das Wetter stimmt ebenfalls - was will man mehr? Toschi

Statt den norwegischen Gothic-Metallern Trail Of Tears stehen nach Lion's Share unerwartet Those We Don't Speak Of abgekürzt TWDSO auf der Bühne. Vielleicht heißt die Band neuerdings tatsächlich so. Beinahe unverständlich, was dieser ziemlich undurchsichtige Gag eigentlich bezwecken soll. Immerhin steht es auf dem großen Bühnenbanner im Hintergrund so vermerkt.
Ein freundlicher Ordner erklärt uns, aller Irrungen und Wirrungen entgegen wirkend, es würde sich bei der Band um die Gothic-Metaller Trail Of Tears handeln, doch irgendwie ist mir schleierhaft, warum die Band solch eine merkwürdige Namensbezeichnung gewählt hat.
Der anschließend einer Slow-Motion-Variante von Evanescence und Within Temptation gleichende Auftritt sagt uns irgendwie nicht so recht zu, weshalb wir das riesige Hauptgelände verlassen und beschließen, auf der Händlermeile zu speisen. Welch Folgen schwerer Fehler: Der kranke Zahn tobt sich anschließend nach allen bestehenden Regeln der Kunst im Unterkiefer aus! Mein Schmerz verschlimmert sich. Ich bin schwer am Ringen: Essen und Trinken wird zur Qual! Bis dato war weder ein Doktor, geschweige der Besuch bei einem Notarzt nötig, da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch recht optimistisch war, es könne sich dabei nur um eine Kälte bedingte Schwellung im Mund handeln.
Wie sich spätestens danach erweist, liege ich mit dieser Ansicht komplett daneben. Der Schmerz verschlimmert sich zunehmend. Gegen Abend verzichte ich auf's Essen und trinke nur sehr wenig. Innerlich den Zahnarzt verfluchend, begebe ich mich direkt nach Heaven and Hell zum Schlafen ins Zelt. Toschi

Meat Loaf (07.06.07, Festivalstage)

Meat Loaf im Vorprogramm von Heaven And Hell auf der Festivalstage? Das kann eigentlich nicht schlecht werden. Wie lange haben wir uns auf diesen Auftritt gefreut. Meat Loaf gehört zu den wenigen Rock 'n' Roll Legenden, die man wirklich egal ob Rock 'n' Roller, Hardrockfan oder Metaller mindestens einmal im Leben gesehen haben muss. Alte Helden sterben nie, zumindest auf der Bühne nicht!
Meat Loaf und seine erfahrene Crew liefern bestes Rock 'n' Roll Entertainment, entführen ihre zahlreichen Fans in eine bizarre Welt aus phantastischen Orten, Träumen, Gefühlen, Maskerade, Glamour und Rock 'n' Roll.
Punkt 20:00 Uhr geht im wahrsten Sinne des Wortes die Show auf der überdimensional riesigen Festivalstage ab. Sex, Drugs, Rock 'n' Roll, Liebe, Eifersucht, Streit, Rebellion und Happiness sind die Zutaten einer jeden Meat-Loaf Show. »Paradise By The Dashboard Light«, »I Want My Money Back«, »Anything For Love« und zum Schluß die ultimative Meat Loaf-Bombe »Bad Out Of Hell«; ein Song, der die Gefühlsebene zahlreicher rebellischer Jugendlicher unzähliger Generationen refkletiert, bei dem alle Leute um mich herum völlig austicken, keiner mehr tatenlos stillsteht, zeigen den stark in die Jahre gekommenen beleibten Herrn samt dessen eingespielter Truppe in prima Verfassung.
So und nicht anders hab ich mir ein Meat Loaf- Konzert immer vorgestellt. Erwartungen voll erfüllt. Stimmung klar im oberen Bereich. Toschi

Thin Lizzy (07.06.07, Sweden-Stage)

Thin Lizzy leisten sich diesmal nicht den Luxus arroganter Starallüren. Pünktlich beginnend verwöhnt John Sykes »dünnes Lieschen« zahlreiche Fans mit satten Klassikern Marke »Waiting For An Alibi«, »The Boys Are Back In Town«, »Jailbreak«, »Renegate«, »Cold Sweat« oder »Black Rose«.
Das Enfant Terrible von der »grünen Insel« sprengt locker die Höchstkapazität des Platzes (zehntausend Nasen) - mindestens doppelt so viele Fans und gleich noch einmal die Hälfte hinzugerechnet strömen auf's Feld vor der extrem überlasteten Swedenrock-Stage, um dem Auftritt beizuwohnen. Hilfe, die Thin Lizzy-Manie greift um sich: was zuviel ist, ist zuviel.
Ungewiß, ob »Whisky In The Jar« gespielt wird oder nicht, tritt bereits nach wenigen Minuten Ausweichplan B in Kraft: Rückzug! Am Kaffee/Cappucinostand vorbeikommend, nimmt das arg strapazierte Gehör diabolischen Krächzgesang wahr: Dimmu Borgir beginnen gerade. Toschi

Dimmu Borgir (07.06.07, Rock Stage)

Dimmu Borgir sind mir heute Abend bedeutend wichtiger als Thin Lizzy. Arroganz wird mit Ignoranz gestraft (siehe RockHard-Festival!) Norwegens Finest in Sachen Black Metal packen die volle Wundertüte, gespickt mit diversen Blackmetalgranaten aus. Unterlegt von düsteren Intros bricht das pure Inferno über's Gelände herein: Dusterhämmer wie »A Succubus In Rapture«, »Mourning Palace«, »In Death Embrace« etc., schlagen mit ungeheurer Wucht in den Magen, gehören zum Feinsten, was jemals im Bereich Blackmetal produziert wurde.
Das Blackmetal Flaggschiff feuert zielsicher aus allen Rohren. Ein passend zum Spektakel ultrafetter Sound und mein anschließend weitschweifender Blick auf's Gelände zeigen mir: Dimmu Borgir sind beinahe abnormal gut drauf, was nicht allein an der Lichtershow liegen kann. Prima geölt läuft die Black-Metalmaschinerie auf Hochtouren und bringt die Rock Stage zum Beben!
Gnadenlos schnell und mörderisch brutal hauen die Norweger mit Ausnahme der allenthalben recht kurzen Verschnaufpausen zwischen den Stücken eine Granate nach der anderen raus. Massenhaft Fans stehen auf dem Gelände Spalier, um Shagrath und Co. in Schweden ihre Aufwartung machend, mit offenen Armen zu empfangen. Welch ein Triumphzug! Die Rock Stage ist wie geschaffen, das zur besten Abendzeit immens zahlreich anwesende Blackmetalfanklientel zum kollektiven Exitus-Headbangen zu bringen.
Mission erfüllt, keine erwähnenswerten Beanstandungen. Nach dem gelungenen Swedenrockgastspiel steht im Oktober eine kleinere Deutschlandtour durch mehrere Konzerthallen im Doppelpack mit Amon Amarth ins Haus, der zahlreiche Fans schon jetzt ungeduldig entgegen fiebern. Toschi

Heaven & Hell (07.06.07, Festivalstage)

Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep heißen die Erfinder des Hardrocks. Whitesnake, Rainbow oder Thin Lizzy mögen im erweiterten Kreise vielleicht ebenfalls dazu gehören. Der sehnlichst erwartete Donnerstag Abend gehört eindeutig den Erfindern des Heavy Metals: Das sind weder Led Zeppelin, noch Deep Purple, geschweige denn irgendeine andere Band als Black Sabbath. Statt Ozzy steht an diesem denkwürdigen Abend Ronnie James Dio hinterm Mikro, der den Geist der frühen 80er Black Sabbath-Scheiben wie kein Zweiter geprägt hat. »Heaven And Hell« (1980) und »Mob Rules« (1981) heißen die beiden zusammen mit dem kleinen Shouter aufgenommen Tonträger, deren Material bis heute unerreichbaren Kultstatus besitzt.
Das Schwedenrock ist immer für zahlreiche faust dicke Überraschungen gut. Rechtzeitig vor Showbeginn wird eine herrliche Bühnedekoration, die sogleich das Spannungsmoment bedeutend anhebt, aufgefahren. Der gesamte Platz ist gefüllt mit diversen Anhängerschaften schwerer Metalmucke. Uns erwartet eine grandiose Show der Superlative mit Ronnie James Dio und den ehemaligen Ozzy-Mitstreitern. Alles scheint heute Abend nur auf eine Band zu warten: Den Headliner, - Heaven & Hell!
Die Legende spielt vor mega-gigantischer Publikumskulisse, deren Dimension Monsters-Of-Rock-Ausmaße annimmt, einen wirklich nicht mehr steigerungsfähigen Supergig: »Mob Rules« ist der passende Opener, um die Massen in Fahrt zu bringen. Dessen sind sich die Herren Dio, Butler, Iommi und Appice völlig bewusst.
Neben einem super klasse ausgesteuert klingenden transparenten Klar-Sound, der immens laut über's gesamte SR-Gelände hallt, machen zahlreiche virtuelle Technikeffekte den zweistündigen Auftritt zu einem geradezu überirdisch-magischen Erlebnis.
Heaven & Hell (oder sollten sie besser Black Sabbath mit Ronnie James Dio heißen?) nutzen die gesamte Bühnenkapazität (drei Video-Leinwände, rechts, links und innerhalb der aufwändigen Dekoration in Form einer alten Sakral-Kirche dargestellt sprechen zweifellos Bände!), packen alle Klassiker aus, angefangen von »Children Of The Sea«, »I«, »The Sign Of The Southern Cross«, »Voodoo«, »Shadow In The Wind« bis zum späteren Zugabeteil, der mit einer auf fünfzehn Minuten gestreckten Spezial-Version des Kultmeilensteins »Heaven & Hell« und dem abschließenden »Neon Nights« endet.
Nach dieser hochgradig Weltklasseniveau erreichenden Performance-Show sind zahlreiche Anhänger schwermetallischer Klänge felsenfest davon überzeugt, neben Lemmys zwei Tage später auf der etwas kleineren Rockstage ebenfalls saustark agierender Motörhead-Crew das Riesen-H i g h l i g h t des Schwedenrock-Festivals gesehen zu haben. Dem können Rike und ich nur zustimmen. Heaven & Hell haben nostalgische Erinnerungen an alte Zeiten geweckt und bewiesen im Gegenzug, dass geniale Rockmusik immer und überall zeitlos sein kann, da es hierfür (fast) keines bestimmten Mindestalters bedarf, um selbst anno 2007 im Digitalzeitalter vor zahlreichen Publikumsgenerationen unterschiedlichsten Semesters zu bestehen. - Meisterhaft!!! Toschi und Rike

Freitag, 08.07.07

Diesen Tag will ich am besten furchtbar schnell vergessen und aus meinem Gedächtnis streichen. Das Provisorium unter meinem Zahn hat nicht, wie vom (jetzt nur noch zum ehemaligen Hauszahnarzt degradierten Dentisten) verordnet gehalten. Stattdessen liege ich seit dem frühen Mittag mit schweren Zahnschmerzen, die anschließend in Kombination mit brutalen Rückenschmerzen bei sengender Hitze in heftige Migräneattacken übergehen, flach ... bin zunächst erstmal kampfunfähig; kann den ganzen Tag nichts essen oder trinken, ohne dass es übelst schmerzt.
Muss der Blödmann, denn vor'm Urlaub mit so ner gequirlten Scheiße kommen? frage ich mich innerlich kopfschüttelnd, äußerlich die Fäuste ballend! Schmerzbedingt legt sich der Protagonist am frühen Abend hin. Meine Freundin reibt mir den Rücken mit Wärmesalbe ein. Die Ungewissheit, Motörhead zu verpassen gibt dem angeschlagenen Patienten beinahe den Rest. Meine Freundin leistet mir tröstenderweise Gesellschaft. Sie ist von Skid Row ziemlich enttäuscht, während ich bereits nach drei Stücken völlig abgetörnt bin von der allein hörtechnisch grottenschlechten Darbietung der Glamrocker und schlafe etwa zur Hälfte des Gigs so fest, dass mir Aerosmith völlig entgehen.
Ich wache irgendwann mitten in der Nacht auf und frage: Wann spielen denn Aerosmith? Was, die sind schon fertig? Das Ging aber schnell ... Assklar, dann habe ich ja nichts verpasst ... (legt den geistigen Hörer auf) - und tschüß ...! Da verließen sie ihn. Immerhin keimt die (wenn auch stark sinkende) lediglich noch recht vage bestehende Hoffnung in mir auf, dass am nächsten Tag ein Arzt kommt und mir lindernde Schmerzmittel verabreicht, womit vielleicht doch noch Aussicht besteht, Motörhead zu sehen ... - wenn nicht, so schwöre ich ganz tief und fest, bei Overkill, Bomber und Orgasmatron, leg' ich des blöden Zahnarztes Praxis in Schutt und Asche ...! Wenigstens erhalte ich, bevor die heftigen Schmerzen unerträglich werden, an diesem undenkwürdigen Tag tatsächlich noch Gelegenheit, eine Band zu sehen, die schon seit Jahren auf meiner Liveliste ganz weit oben steht: TYR! Von diesem Gig will ich berichten.Toschi

Tyr (08.07.07, Zeppelin-Stage)

Gegen Mittag wird's furchtbar heiß (über 35 Grad). Die Hitze drückt uns mächtig auf's Geweih! Das melodischer Viking-Metal selbst bei eklig brütender Mittagshitze zündet, beweisen die fünf eingespielten von Anfang bis Ende motivierten Wikinger von den Färöer-Inseln. Tyr legen einen sauberen Gig auf die Bretter, der das Swedenrock-Publikum mitreisst. »The Edge«, »Regin Smidur« vom starken »Eric The Red«-Konzeptalbum eröffnen den Set. Fronter Heri Joensen's Team präsentiert sich als wirklich klasse harmonierende Einheit auf der Bühne, deren sympathische Ausstrahlung sich bei jedem Ton auf's Publikum überträgt.
»Stýrisvölurin«, »Dreams«, »Olavur Riddararós«, »Eric The Red« und »Ramund Hin Hunge«, »Ragnarök« sind live wie im Studio superbe Viking-Hymnen edler Prägung, ehe das ultimative Glaubensbekenntnis zahlreicher Wikinger - ergo: »Hail To The Hammer« - schließlich den Höhepunkt setzt. Der Schlußakkord bleibt dem irischen Alltime-Schunkel-Traditional »The Wild Rover« vorbehalten (defintiv nicht in der peinlichen K. und K.-Version)! Starker Nordmänner-Gig. Perfekt und absolut tödlich zugleich, wie sich im Nachhinein herausstellt.
An dieser Stelle ein Gruß an die Adresse des Kollegen Martin (Ulath): Der beim Rocktown-Open-Air 04 in Bebra damals aufgrund unglücklicher Umstände bedingt zum Opfer gefallene, somit dadurch verpasste Tyr-Auftritt wurde im Rahmen des SRF nun ehrenhalber nachgeholt! Toschi

Kraftraubende Anstrengungen bei zunehmend steigender Hitze fordern stets ihren Tribut. Die Sonne knallt unbarmherzig. Zahn- und Kopfschmerzen steigen rapide an. Selbst der Spaziergang am Strand nutzt rein gar nichts. Statt dessen sind die Auswirkungen um so heftiger am nächsten Tag: Kopfschmerzbedingte Freischicht!!! Freitag geht absolut nichts mehr. Meine vormals gute Laune sinkt gewaltig in den Keller ... Bad Dadz and Big Bear fallen aus! Rike geht ein wenig Schwimmen und ich kann mich mit meinen heftigen Schmerzen später im Zelt gerade noch knapp über Wasser halten. Das nennt man wohl einen gelungenen Freitag ...
Wir beschließen, noch gegen Abend das Sanizelt aufzusuchen, wo man uns beruhigenderweise erklärt, dass am Samstag Mittag ein zwecks Notdienst verfügbarer Arzt kommt, der mir Penecilin und Schmerzkiller (sog. Painkillers) zur Linderung des Schmerzes verabreicht. Ein Mensch, der wie mir bereits nach wenigen Augenblicken bewusst wird, seinen Job ziemlich gut kennt.
An dieser Stelle ein dickes Kompliment und aufrichtiges Dankeschön an den sehr netten Doktor für dessen Geduld, der seinen gesundheitlich schwer belasteten Patienten sicher verarztet, wobei mir die vorgeschlagene Lösung, um ein Uhr am Sanizelt aufzukreuzen, am nächsten Tag sogar die kaum noch für möglich gehaltene Chance eröffnet, dass der Falconer-Auftritt nicht Flöten geht. Ausgezeichnet!
Selbiges gilt für's wirklich zuvorkommende Sanitätsteam, für dessen mir entgegen gebrachte Riesengeduld. Ein großer Hoffnungsschimmer am Horizont keimt auf: Der innig ersehnte Motörhead-Auftritt rückt dank zwischenzeitlich längerer Ruhepause gleich wieder ein gewaltiges Stückchen näher! Meine Laune und Gesichtszüge hellen sich auf, die Tabletten helfen den unerträglichen Schmerz zu lindern. Immerhin hat der unfreiwilige Schlaf-Freitag mit gezwungenermaßen eingelegter Nachmittags- und Abendpause sogar etwas gutes: Danach fühle ich mich wieder bestens bei Kräften, wodurch es mir gelingt, den langen harten Samstag prima durchzustehen. Toschi

Falconer (09.06.07, Zeppelin-Stage)

Gleiches Bild wie bei Tyr. Sichtlich geschlaucht stiefeln zwei ziemlich müde Gestalten des Metallic-Teams wie viele andere Fans eifrig bei knallig heißem Sonnenschein am frühen Mittag rüber zur Zeppelin-Stage. Falconer dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen!
Der mit Viking- und Folkeinflüssen verzierte Powermetalcocktail des Schwedenfünfers entfaltet rasch seine Wirkung. Das Publikum frisst den »Falknern« (Falconer) - so lautet des Wortes namentliche Übersetzung - blind aus der Hand. Egal ob Songs älteren oder neueren Semesters gespielt werden, das Stimmungslevel bei der neben Nocturnal Rites und The Storyteller aus meiner Sicht besten schwedischen Powermetalband ist riesig, die Atmosphäre allzeit locker, während Falconer ihr Heimspiel auf der kleinen Zeppelin-Stage genießen.
Sänger Matthias Blad strahlt enorme Ruhe aus, während sich die kräftig posende Gitarrenfraktion nach allen Regeln der Kunst duelliert, indessen sich die grundsolide Rhythmussektion eher zurückhält. Falconer hinterlassen ähnlich wie ihre Landsleute Nocturnal Rites und die ausgezeichneten Färöer-Viking-Metaller Tyr zu früher Mittagszeit massig viele erhobene Hände, strahlende Gesichter und ein begeistertes Rezensentenduo. Toschi

Danach geht's erstmal zum Arzt. Damit steigen meine Chancen beträchtlich, den langen Swedenrock-Samstagabend zu erleben. Motörhead rücken immer näher. Yeah!!! Vorerst nehme ich mir am frühen Nachmittag jedoch sicherheitshalber die notwendige Auszeit. Am letzten aus meiner Sicht neben Donnerstag (Heaven & Hell!) wichtigsten Festivaltag der viele Höhepunkte bereit hält, bleiben wir trotz Autanverzicht glücklicherweise von den berüchtigten Bettstukas verschont. Für den Fall, dass ihr wissen wollt, was Bettstukkas nun eigentlich sind, sei der Erklärung halber die Erläuterung gleich mitgeliefert: Autan ist ein Mittelchen gegen derart nervende Plagegeister. Die Bezeichnung »Bettstukkas« bedeutet bei uns im schwermetallischen Paralleluniversum nichts anderes als Mücken! Und Amen.
Wir haben schwer mit der Hitze zu kämpfen, weshalb unser Wasserverbrauch innerhalb der nächsten vier Tage immens ansteigt. Bis zum Sonntag sind mehrere 1-Liter-Pullen geleert! Toschi

Black Oak Arkansas (09.06.07, Rock-Stage)

Black Oak Arkansas haben wir uns ganz anders vorgestellt. Statt groovigem Blues-Hardrock langweilt die Band gleich nach dem flockigen Opener mit staubigem County-Blues-Rock, der uns absolut missfällt. Fünf Songs halten wir zunächst gerade noch mit Hängen, Würgen, Achen und Krachen durch, spätestens dann wird's unerträglich. Feierabend, Schluß mit lustig! Das Essen ist wichtiger, der Nachmittag ebenfalls. Von der Festival-Stage dringt reichlich blueslastiger Hardrock einer Band aus Irland an unser Gehör, dessen Kick-Ass-Faktor fast erdrückend ist. Voll Fett!!! The Answer haben seit etwa zehn Minuten angefangen ... Toschi

REO Speedwagon (09.06.07, Festival-Stage)

REO Speedwagon sind die Überraschung des Festivals. Ich muss ehrlich sagen, dass ich so ein agiles Stageacting von einer Band, die seit 1968 im Geschäft ist, nicht erwartet hätte! Sind die sympathischen fünf Amis eher dafür bekannt, Balladen und Lieder der eher softeren Art zu spielen, geht es gleich mit dem ersten Track »Dangerous Combination« richtig derbe zur Sache!
Während des gesamten Gigs liefern sich Basser und Gitarrist immer wahnsinnige Duelle. Auch bei den darauf folgenden Songs Marke »Fighting Till The End«, »Back On The Road Again« oder »Keep Riding The Storm« merkt man ihnen an, wieviel Power, Spielfreudigkeit und Humor in ihnen steckt!
In der Mitte des Sets lassen sie es eher ruhig angehen, mit der Kuschelrocknummer »I Can't Fight This Feeling« bringt die Band neben der Zugabe ihren vielleicht größten Welthit, um in der nächsten Viertelstunde noch einmal alle Register des Melodic-AORS zu ziehen! Die Band versteht es von Anfang an, das komplette Publikum vor der Festivalbühne mitzureißen!
Beim letzten Stück, der Überballade »Keep On Lovin' You« wünsche ich mir meinen Schatz an meiner Seite, aber den zieht's zu Motörhead ... - Kulturbanause! Schade. (Anm. des Gerügten: »Waaas??? Nu bleib' aber mal auf'm Teppich, - Motörhead sind ein M u s s!«) Rike

Motörhead (09.06.07, Rock-Stage)

Motörhead räumen pünktlich zur besten Abendzeit um 21:45 Uhr vor extrem zahlreich versammelter Kulisse erwartungsgemäß ab. Dicht gedrängt bis zum hintersten Pasta- und Pizzastand stehen die Reihen, um einer außergewöhnlichen Vorstellung beizuwohnen. Außergewöhnlich schon allein deshalb, weil Motörhead den ersten, auf keiner Rechnung stehenden Joker gleich am Anfang aus dem Ärmel ziehen: »Snaggletooth« als Opener zu bringen und »The Chase Is Better Than The Catch« im Anfangsteil nachschieben erweist sich als völlig cooler Schachzug, der sofort jeden Zweifel daran beseitigt, wer am letzten Haupttag des Swedenrock-Festivals auf der Bühne steht: Echte Rocker. Keine Weicheier a la Linkin' Park, White Stripes und Konsorten!!!
Während ich irgendwo recht weit vorn im Pit meine Kämpfe austrage, um irgendwie so ganz allmählich Platz in den vorderen Reihen zu bekommen, was mir nach fünf Songs endlich gelingt, erzählt mir meine Freundin, (die es der Sicherheit halber bereits nach den ersten fünf Minuten in den hinteren Bereich zurück zieht), hinterher, dass sie spätestens nach dem gewaltigen Anblick, der sich ihr bietet, der einhelligen Überzeugung ist, dass Motörhead wirklich eine Liga für sich sind, da spätestens beim Auftritt des britischen Rock 'n' Roll-Urgesteins bis zum letzten Pizzastand ausnahmslos fast alles auf zwei Beinen steht, was sich ansonsten auf dem Gelände bewegt.
Vom Geschehen hinter mir bekomme ich recht wenig mit, da sich mein Blick in erster Linie gezielt nach vorn, zur Bühne richtet; zumal sich vor, hinter und seitlich neben mir ein riesiges Knäuel aus Leuten bildet, bei dessen Anblick einem schwindlig werden kann!
Motörhead verlangen den Fans heute alles ab. Das Trio sprüht förmlich vor Energie. Die Band strahlt eine Begeisterung aus, deren tolles Flair sich schnell auf's Publikum überträgt. Das britische Trio fühlt sich mit Recht sauwohl in Schweden. Beim »Whorehouseblues«(!) zur Mitte des auswahl- und spieltechnisch grandiosen Sets schnallt Lemmy plötzlich seinen Bass ab und bewaffnet sich staunende Blicke von allen Seiten erntend zur Abwechslung mit Akkustikklampfe und Mundharmonika, womit sich zeigt, dass Rock 'n' Roll nicht nur aus knallharten Gitarren, treibenden Drums und extrem heftiger Lautstärke besteht, sondern das die wahren Wurzeln der von uns allen geliebten Härtnermusik sowohl als auch im Blues verankert liegen. Sahnig.
Mit dieser Nummer gelingt es der Hardrock-Legende sogar bei sonst eingefleischten Skeptikern zu punkten, während etwaige Zweifler am Können von Lemmys Trupp verstummen, weil das legendäre Trio damit in aller Form recht deutlich zeigt, dass weitaus mehr in ihm steckt als stets gleich klingender Hardrock. Ein kotzbrockig-spießiges Argument, mancher Scheuklappenkritiker. Vorwürfe, die schlichtweg für'n Arsch sind und in die Tonne gehören, weil diese Leute selbst viel zu weich für die lauteste, räudig- dreckigste, beste, sämtlicher Pseudorocktrends entgegen immer noch mit Abstand heavieste Hardrockcombo unseres Planeten sind ... Bums, aus, - Schluß!
Nach kurzer Sondereinlage, geht's weiter mit Karacho in die Vollen: »Sacrifice«, »I Got Mine« und »Killed By Death« heißen die nächst folgenden Stücke. Das etwas langsamere, um so heavier kommende »Just 'Cos You Got The Power (That Does Not Mean, You've Got The Right)« erweist sich als weitere Granate eines vor Höhepunkten nur so übersprudelnden Sets, der ebenfalls wieder das kongeniale »Goin' To Brazil« enthält.
Die letzte große Überraschung heben sich Lemmy, Mikkey Dee und Phil Campbell bis zum Schluß auf: Fast Eddie Clarke (dem noch der Gig vom frühen Nachmittag samt dessen Band Fastway auf der nur unwesentlich geringfügig kleineren Swedenstage in den Knochen steckt) wird von Lemmy höchstpersönlich als Überraschungsgast auf die Bühne gebeten, um anschließend einen Traumset, garniert von den besten vier frenetisch vom Publikum häufig gewünschten, heute abend komplett hintereinander am Stück servierten Schädelspaltern »Overkill«, »Bomber«, »Motörhead« und »Ace Of Spades« zu krönen, wobei sich das Gitarrenduo sehr zur großen Freude des Die-Hard Fanpulks rasante Gitarrenduelle liefert, während zumindest für neunzig Minuten absoluter Ausnahmezustand in Schweden herrscht weil sich der gesamte Platz vor der Rockstage in einen gnadenlos rockenden, bangenden, pogenden, moshenden, tobenden Hexenkessel verwandelt!
Passend zum entsprechenden Stück zieht der Bomber in buntem Lichterglanze erstrahlend seine Kreise über der Bühne, wobei die gut aufgelegten Musiker den passenden Song spielen. Ein Bild für die Götter, das viele Gesichter zum Lächeln und Staunen bringt - traumhaft! Neben Heaven & Hell dürfen die Gralshüter des Hardrocks wie so häufig ausnahmslos top - aus Sicht zahlreicher begeistert abrockender Fans mit weitem Abstand als große Gewinner die Bretter verlassend zu den Highlights des oberhammermäßig kultigen Swedenrockfestivals gezählt werden. - Essentiell, - wertvoll, - unverzichtbar, Megakult!!! Toschi

Scorpions (09.06.07, Festival-Stage)

Scorpions sind das eingetragene Markenzeichen in Sachen Hardrock. »Bad Boys Running Wild« und »The Zoo« eröffnen den Reigen der Hannoveraner, die (abgesehen von vier kleineren Hängern) eine prall gefüllte Wundertüte diverser Klassiker auspacken, wobei der Fünfer durch viel Bewegung auf der riesigen Festival-Stage überzeugt. »He's A Woman, She's A Man«, »Deep And Dark«, »Tease Me, Please Me«, sowie die Kuschelrock-Hymne »Winds Of Change« hätten sich die Herren Meine, Schenker, Japs und Co. knipsen können.
Zum Glück gibt's neben genannten Füllern jede Menge Killer, geschweige denn Raritäten im Abendprogramm der Scorps zu bewundern. Den Anfang macht das kultige Megainstrumental »Coast To Coast« - dessen Flair gerade bei vielen älteren Anhängern klassischer Hard 'n' Heavy Mucke seelige Erinnerungen an alte Zeiten weckt. Der Mitsingohrwurm »Holiday« wird sogar in langer Version gebracht.
Kurz vor Ende des Zugabeteils geben die Hannoveraner noch einmal richtig Gas: »Blackout«, »Big City Nights« und »Dynamite« knallen mit immenser Lautstärke aus den Boxen, dass es beinahe überlaut bis auf unseren Zeltplatz herüber schallt. Und was wäre ein Scorpions-Konzert ohne die Jahrhundertballade »Still Loving You«? Definitiv nur halb soviel wert.
Zwischenzeitlich ist ein wenig die Luft raus, die Tracks vom neuen Album sind nicht wirklich das gelbe vom Ei. Dafür entschädigt Gitarrenvirtuose Uli Jon Roth bei seinem kongenialen Spezialauftritt wirklich für alles, - der Mann ist ein unbestrittenes Genie am Griffbrett! »Fly To The Rainbow«, »In Trance« sind zeitlose Perlen feinsten 70er Jahre Hardrocks, ehe der obligatorische Zugabeteil folgt.
Mit der lautstark geforderten Alltimehymmne »Rock You Like A Hurricane« und dem Rausschmeißer »When The Smoke Is Going Down« beenden die deutschen Metal-Haudegen um Bandleader Klaus Meine zum Ausklang des SRF gegen zwei Uhr einen nur teilweise knalligen Gig, der von der Songauswahl her gesehen (zumindest auf das Scorpions Material ohne Uli John Roth bezogen) stellenweise ein wenig zu wünschen übrig lässt. »Coming Home« (als Opener ein zwingendes Muss!!!) und »No One Like You« weglassen, stattdessen schwaches Material vom neuen Album zu spielen kann nicht im Sinne des Erfinders sein! Dafür gibt's leichte Abzüge in der B-Note.
Gemessen am dargebotenen Gesamtbild fällt dieses Manko erschwerend ins Gewicht. Trotz über aller Kritik erhabener herausragenden Uli John Roth-Präsenz belegen die Scorps nur den Bronzeplatz hinter Englands härtestem Rock 'n' Roll-Trio (Motörhead) und den geradewegs überdimensional wirkenden Heaven & Hell, von deren zweistündiger Supershow diverse Eltern- und Großelterngenerationen ihren Neffen, Kindern und Enkelkindern in geeigneten Nächten am Kamin erzählen werden. Knapp gut bis zufriedenstellend mit leicht durchwachsener Tendenz. Toschi

Nachwort

Schweden Ade! Lautet das Motto des nächsten Tages, Sondag. Am Flughafen Kopenhagen besorge ich mir gegen Nachmittag zunächst den innerlich dringend verlangten Liter Kakao. Mein Mäuschen staunt deshalb nicht schlecht, als ich mit einer Litertüte »Matilde« in den Fingern zurückkomme. Nichts geht über die volle Portion. Wenn schon Kakao, dann richtig!
Das Beste folgt wie immer hinterher: Am Flughafen in Kopenhagen warten wir auf den Check-In für unseren Flug. Müde wie wir sind, hängen Rike und ich halb angeschlagen in den Seilen. Es ist auch am Sonntag definitiv wieder zu heiß, Kopenhagen eingeschlossen. Je später es wird, desto mehr tut sich auf dem Flughafen. Ein Typ mit Swedenrock-Shirt tritt plötzlich an uns heran und ruft mir zu: »You're a Motörhead Fan? Look! Lemmy is here! You can see him!« Wach' ich oder träum' ich? Schießt es mir sofort durch den Kopf: Alle Sirenen läuten. Ich frage ihn in englisch wo ich Lemmy finden kann, er antwortet mir, dass Lemmy den Gang in dem wir gerade stehen, nimmt und wir ihm eiligen Schrittes entgegengehen sollen, wenn wir ihn noch treffen wollen. Eine Aufforderung, die sich ein echter Die-Hard-Motörhead-Fan nicht zweimal sagen lässt: Wir laufen zum Ende des Ganges, da kommt mir die Legende auch schon eiligen Schrittes entgegen. Ganz in schwarz, Hemd, Jeans und den bewährten Hut, erkenne ich ihn sofort.
»Lemmy!«, rufe ich laut, gratuliere ihm lächelnd zum großartigen Swedenrockgig (Rike ebenfalls) und frage ihn sogleich, ob er mir bei aller Eile nicht schnell ein Autogramm geben könne ... Notgedrungen ziehe ich einen Kuli aus der Tasche, doch Lemmy blockt lässig ab und meint, das sei nicht nötig. Ich darf mich umdrehen. Schnell zieht er einen schwarzen Edding aus der Hemdtasche und kritzelt mir grinsend das schon seit Jahren sehnlichst heiß erwünschte Autogramm, (wobei er einen Augenblick lang schmunzelnd mein Jacket betrachtet) auf den Rückenaufnäher meiner Kutte, ehe Mr. Kilmister im Eilschritt von dannen zieht. Der Grund liegt auf der Hand: Motörhead sind momentan mitten auf Tour. Statt in den Tourbus steigt Lemmy heute zur Abwechslung in den Flieger.
Danach kann ich mein seltenes Glück kaum fassen, das ist echt der Hammer! Rike ist ebenfalls völlig begeistert. Motörhead-Chef Lemmy reicht mir die Hand. Der Mann erweist sich als wahre Persönlichkeit ohne Starallüren. Ein respekables Vorbild für seine Fans. Er gibt sich locker, ehrlich und cool, - so wie man ihn auf der Bühne kennt. - Das ist wahrer Rock n'Roll!
Okay, für' n Photo hat's leider aus zeitlichen Gründen nicht mehr gereicht; vielleicht folgt irgendwann das entsprechende Interview mit meinem Idol. Nichtsdestotrotz stehen solche Dinge nach wie vor in den Sternen. Sollte es eines Tages dazu kommen, sind bei ausreichend körperlichem Wohlbefinden einige Bierchen am Tresen fällig ...
Ungeachtet meiner leidlichen Zahnschmerzen war das Swedenrock-Festival erwartungsgemäß eine Klasse für sich. Das aus unserer Sicht beste Hardrock- und Heavy Metal-Festival der Welt bot standesgemäß superbe Bands, ein tolles Festivalgelände, saubere Toiletten, zahlreiche nette, Rockmusik-verrückte Menschen, (Grüße an all unsere lieben Zeltnachbarn, aus Schweden, Norwegen, England und anderen Ländern, ohne die einem Festival wie dem Swedenrock sicher ebenfalls etwas wirklich unersetzliches fehlen würde! Diverse Begegnungen besonderer Art, reichlich Abwechslung, ein wieder sehr umfangreiches Nahrungsmittelangebot, sowie viel Wissens-, Sehens-, und Kennelernenswertes (bis auf meine Zahnschmerzen, autsch!!!). Bestes Wetter (obwohl manchmal etwas zu heiß), das verschont Bleiben von den berüchtigten »Bettstukas« und anderer kaum definierbarer Stechviecher kam uns ebenfalls sehr gelegen.
Schweden ist immer eine Reise wert. Das Land, die Kultur, das erstklassige soziale Engagement der Schweden, die saubere Umwelt und natürlich dieses superbe Metalfestival. Wir vermissen schon jetzt die superbe Food- und Händlermeile, das umfangreiche Angebot im Swedenrock-Shop, die täglich mehrfach gereinigten Duschen und WCs (Standards, wovon andere Festivals nur träumen können!), das nette Personal, ein fröhliches Hallo aus Deutschland an Ingrid, Jenny, Goran, alle Securityleute und das gesamte Swedenrock-Team. Ihr seid klasse! Wir verabschieden uns vorerst bis zum nächsten Mal.
Bedingt durch zwingende Gründe privater Natur können wir unser von allen mit weitem Abstand bestes Hardrock- und Metal-Festival leider erst frühestens 2009 wieder besuchen. Schade, aber leider nun mal nicht zu ändern. Toschi


weitere Links
Interviews:

Interview: Annihilator, 28.03.2002 Riff Puzzle
Interview: Nocturnal Rites, 30.10.2005 die Balance zwischen Melodien und Aggression ist unser Markenzeichen

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Annihilator - Schizo Deluxe
CD-Review: Annihilator - Double Live Annihilation
CD-Review: Annihilator - Waking The Fury
CD-Review: Gabria - Live Fire
CD-Review: Lion's Share - Emotional Coma
CD-Review: Lion's Share - Entrance
CD-Review: Motörhead - Kiss Of Death
DVD-Review: Motörhead - Stage Fright
CD-Review: Motörhead - Inferno
CD-Review: Motörhead - Live At Brixton Academy
CD-Review: Motörhead - Hammered
CD-Review: Nocturnal Rites - Grand Illusion
CD-Review: Nocturnal Rites - Shadowland
CD-Review: Wolf - The Black Flame
CD-Review: Wolf - Evil Star
CD-Review: Wolf - Black Wings
CD-Review: Dimmu Borgir - In Sorte Diaboli

Live-Reviews:

31.07.2003 bis 02.08.2003: 14. Wacken Open Air (Wacken)
26.05.2002: Debase, Seven Witches, Annihilator (Ludwigsburg Rockfabrik)
02.08.2001 bis 04.08.2001: Wacken Open Air 2001 (Wacken)
08.06.2006 bis 10.06.2006: Swedenrock Festival ((S) Sölvesborg)
16.07.2004 bis 17.07.2004: 5. Rocktown Open Air (Bebra, Biberkampfbahn)
03.08.2006 bis 05.08.2006: 17. Wacken Open Air (Wacken)
24.06.2005 bis 25.06.2005: Bang Your Head-Festival (Balingen)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
21.10.2002: Anthrax, Motörhead (Offenbach, Stadthalle)
13.05.2005 bis 15.05.2005: Rockhard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
04.08.2007 bis 06.08.2007: 18. Wacken Open Air (Wacken)
21.07.2005 bis 23.07.2005: Earthshaker-Festival (Geiselwind)
22.08.2002 bis 24.08.2002: Summer Breeze 2002 (Abtsgmünd)
25.05.2007 bis 27.05.2007: Rock Hard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)


Diese Seite wurde 0 mal kommentiert

Kommentar schreiben







1
 Bilder
Annihilator
Annihilator Annihilator
Black Oak Arkansas
Black Oak Arkansas Black Oak Arkansas Black Oak Arkansas Black Oak Arkansas Black Oak Arkansas Black Oak Arkansas
Blackbush
Blackbush Blackbush Blackbush Blackbush
Dimmu Borgir
Dimmu Borgir Dimmu Borgir
Falconer
Falconer Falconer Falconer Falconer Falconer
Gabria
Gabria Gabria Gabria Gabria
Lion's Share
Lion's Share Lion's Share Lion's Share Lion's Share
Meat Loaf
Meat Loaf Meat Loaf Meat Loaf Meat Loaf Meat Loaf Meat Loaf
Motörhead
Motörhead
Nocturnal Rites
Nocturnal Rites Nocturnal Rites Nocturnal Rites Nocturnal Rites Nocturnal Rites Nocturnal Rites Nocturnal Rites
Randy Piper's Animal
Randy Piper's Animal Randy Piper's Animal Randy Piper's Animal Randy Piper's Animal Randy Piper's Animal
REO Speedwagon
REO Speedwagon REO Speedwagon REO Speedwagon REO Speedwagon REO Speedwagon REO Speedwagon
Scorpions
Scorpions Scorpions Scorpions Scorpions Scorpions Scorpions
The Australian Pink Floyd Show
The Australian Pink Floyd Show
Artikel
diesen Artikel per Email verschicken:
Email
 Suchen
In den Live Reviews nach:
am meisten gelesen:
Bewertung
Artikel bewerten:

Stimmen: keine
Punkte: 0/5
Partner
Sound Riot Records
Bad Land Records
Firefield Records
Relapse Records
Statistik
1590 CD-Reviews
282 Underground-CDs
24 DVD-Reviews
159 Interviews
124 Live-Reviews