Live-Reviews

Bang Your Head Festival

23.06.2006 bis 24.06.2006, Balingen

Hellfueled (23.06.06)

Vond den Schweden bekam ich leider nur noch zwei Stücke mit, da ich diesen Morgen etwas länger geschlafen hatte als mir lieb war. Im BYH-Publikum herrschte schon sehr gute Stimmung, was sich in starkem Applaus und viel Bewegung äußerte, womit sich den Schweden ein guter Festivalauftakt zu vorgeschobener Zeit bescheinigen lässt. Toschi

Communic (23.06.06)

Communic
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Nach dem gelungenen Festivalauftakt durch die Schweden Hellfueled gebührte den Senkrechtstartern des Jahres 2006 die Ehre, das Stimmungslevel im Publikum auszubauen, was zumindest teilweise gelang. Bestens informierten HärtnerInnen dürften die Norweger Communic mit ihrem sensationellen letztjährigen Debüt »Conspiracy In Mind«, sowie der erst knapp einen Monat auf dem Markt erhältliche aktuelle Nachfolger »Waves Of Visual Decay« bekannt sein.
Der Auftritt der norwegischen Progressiv/Thrasher spaltete die Meinungen am frühen Nachmittag ganz enorm. Ein Teil der Fans im vorderen Bühnenbereich ging begeistert mit, während die Norweger in den vereinzelt gefüllten hinteren Reihen des Platzes verhaltene Reaktionen auslösten, obwohl auch hier und da mal die ein oder andere zaghafte Hand zum Applaus erhoben wurde. Vielleicht lag es auch daran, dass deren zweites Album »Waves Of Visual Decay« erst frisch auf dem Markt erschienen und somit den meisten noch unbekannt ist.
Diejenigen, denen das Norwegertrio Communic bislang unbekannt blieb oder kein Interesse an der Verbindung zwischen Progressive und Thrashmetal hatten, konnten dem Auftritt von Communic leider nur recht wenig abgewinnen. Die drei Norweger mühten sich redlich und hätten schon deshalb weitaus mehr Resonanz seitens des Balinger Publikums verdient gehabt. Der Umstand, dass Communic gleich nach den Abräumern des Vorjahres, den Schweden Hellfueled ein wenig ungünstig im Billing platziert waren, könnte ebenfalls eine mögliche Ursache dafür gewesen sein, dass die Band auf dem BYH nicht wie gewünscht einschlug.
Die Reaktionen des Publikums auf das Norwegertrio waren okay, hätten aber dennoch etwas zahlreicher sein können. Für die eigentlichen Überraschungen des ersten Tages sollten andere Bands sorgen; doch dazu später mehr ... Toschi

Leatherwolf (23.06.06)

Leatherwolf
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Leatherwolf zählen zu den Bands, die sich gerade live auf den Bühnen in der Vergangenheit oft rar gemacht haben, um so mehr fieberten meine Freundin und ich dem Auftritt der Band entgegen. Mit den Amis stieg auch das Stimmungsbarometer im Publikum wieder merklich an. Warum eine Heavy Metal-Band klassischer Bauart wie Leatherwolf, die in den 80ern zu den großen Aushängeschildern der US-Metal-Szene gehörte, bis heute nie über den Insiderstatus des ewigen Geheimtipps hinausgekommen ist, entzieht sich der gesunden Logik.
Scheiben wie »Leatherwolf II« oder »Street Ready« gehören im melodischen Metalbereich mit zum Besten, was die US-Metal-Szene je hervorgebracht hat.
Der Platz hatte sich wieder mehr gefüllt und binnen einer Viertelstunde bis in die hinteren Reihen verdichtet. Innerhalb weniger Minuten erspielte sich die äußerst beweglich auf der Bühne agierende Band die Sympathien des Publikums. Das Amiquintett um den quirligen Fronter Wade Black war auf die Minute topfit in Balingen und präsentierte sich spielerisch mit druckvoll-klarem Sound ausgestattet von seiner stärksten Seite!
Die Songauswahl ließ jedenfalls keine Wünsche offen: »Street Ready«, »Gypsys And Thiefes«, »Live Or Die«, »Seasons Tf The Wytch« (Klassiker vom ersten Leatherwolf-Album), die ultimative Melodicmetalhymmne »Thunder«, »Spider« (ein weiterer Klassiker) wurden allesamt wunderbar vom gut aufgelegten Publikum angenommen und mit zahlreichem Applaus bedacht, ehe »The Calling« vom ersten Leatherwolf-Album einen tollen Set beendete, der vielen überzeugten BYH-GängerInnen nachhaltig positiv in Erinnerung bleiben wird.
Vermehrte Zugaberufe und kräftiger Applaus ließen die Band befriedigendermaßen lächelnd von der Bühne abtreten. Ausnahmslos hörens-, sehens- und empfehlenswert! Toschi

Flotsam & Jetsam (23.06.06)

Flotsam & Jetsam
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Sie zählten zu den wichtigsten Speedmetalbands der 80er. Das Kultalbum »Doomsday For The Deceiver« gehört nachweislich zu den Alben, die wirklich in keiner einigermaßen gut sortierten Speed/Thrashmetalsammlung fehlen dürfen. Flotsam & Jetsam zogen viele neugierige Fans vor die Bühne und rissen anschließend sogar noch mehr als die nur wenige Minuten zuvor ohnehin schon restlos überzeugenden Leatherwolf!
Zwar geht die Band längst nicht mehr durch die Bank weg Speedmetal orientiert auf die Bühne, (der grandiose Anfang mit »Hammerhead« und »No Place For Disgrace« ließ auf eine Speedmetalorgie hoffen) wie zu ihren Anfangstagen, allerdings ist das aus Heavy-, Power- und Speedmetal bestehende Gebräu des Fünfers anno 2006 auch nicht von schlechten Eltern. Wie schon bei Leatherwolf erhielten die Amis tosenden Beifall und verließen hinterher mehr als zufrieden die Bühne. Toschi

Vengeance (23.06.06)

Vengeance
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Hollands ehemalige Schwermetallband Nummer eins hieß Vengeance. Wer Alben des Formats »We Have Ways To Make You Rock«, »Take It Or Leave It« und »Arabia« nicht kennt, hat definitiv Bildungslücken in seiner Sammlung oder einen wichtigen Teil der Geschichte des Hardrocks verpennt!
Nachdem die Truppe um Fronter Leon Geowie lange Zeit in der Versenkung verschwand, ist sie nun mit neuem Album »Back In The Ring« im Gepäck wieder am Start. Dass Vengeance derart druckvoll, straight und mit Fortune auf die Bühne kommen würden, zählt aus meiner Sicht zu den allergrößten Überraschungen des BYH-Festivals. Fronter Leon Geowie könnte David Coverdales jüngerer Bruder sein. Der keine fünfzehn Sekunden lang stillstehende, quirlige Mikrophonästhet entpuppte sich als Entertainer par excellence. Der agile Shouter sprang über die Bühne wie ein Deibel, wobei es ihm immer wieder gelang, das Publikum mit lockeren Sprüchen und gewohnt sicherer Gestik anzuheizen!
»Take It Or Leave It« eröffnete den Set, ehe Vengeance mit »Rock 'n' Roll Shower«, »Back In The Ring«, »No Mercy« usw. weitere Granaten rockigen Kalibers nachlegten. Dass Leon Geowie über mehr als ausreichend notwendigem Sex Appeal verfügt, das ein Shouter seines Metiers haben sollte, zeigt sich daran, dasa sich mitten während des Gigs wie aus heiterem Himmel die holde Weiblichkeit in Form mehrerer knackiger Girls zu ihm auf die Bühne gesellte, um das alte Klischee Sex, Drugs and Rock 'n' Roll passenderweise zu umrahmen.
Scharf gestimmte Gitarren, kraftvolles Drumming und ein Fronter, der sich ausstrahlungstechnisch irgendwo zwischen Ex -Van Halen Sangesikone David Lee Roth und Whitesnake-Fronter David Coverdale befindet, ließen diese Band zum besonderen Gourmethappen für alle Fans knackigen Partyhardrocks werden. Und es wurde eine knackige Party! Eine Party, bei der alle Fans trotz enormer Hitze im Innenraum abfeierten, dass der Schweiß nur so in Strömen floß, um sich hinterher mit Recht verdientermaßen per Schlauch abspritzen zu lassen.
Erdig, dreckig, groovig und jederzeit straight nach vorn, - jau, jau, jau, - so muss es sein! Die Holländer schonten sich und die vor der Bühne feiernden Fans trotz heißer Temperaturen nicht. Sex, Drugs and Rock 'n' Roll dieses Motto wird bei Vengeance groß geschrieben. Das Bang Your Head-Publikum zeigte sich vom ersten Takt begeistert und feierte das Holländerquintett verdientermaßen ab! Schade, dass den Holländern nur vierzig Minuten gestattet wurden, während Bands wie Helloween, die mittlerweile so überflüssig geworden sind wie ein Kropf und bei weitem nicht mehr die Klasse früherer Zeiten erreichen von den BYH- Veranstaltern weit mehr als eine Stunde effektiver Spielzeit zugesprochen bekommen und sich darüber hinaus wieder einmal den großen Luxus erlauben dürfen als einzige Band den erforderlichen Soundcheck zu überziehen, wodurch später folgende Combos mit etwas weniger Spielzeit auskommen müssen. Frechheit!
Vengeance waren ihr Geld wert! Dieser Auftritt kam einer Auferstehung aus der Versenkung gleich. Hoffentlich sieht man die Jungs demnächst wieder öfter on Tour. Großartig! Toschi

Death Angel (23.06.06)

Death Angel
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Death Angel fackelten gar nicht erst groß, holzten straigt, sicher und mit jeder Menge Härte und Melodie drauf los, was die Instrumente hergaben! So habe ich mir den US-Fünfer, der zu den führenden Formationen seines Genres zählt, immer vorgestellt! Es gelang der gut eingespielten Truppe um Fronter Marc Osegueda, der mit seiner Arschlangen schwarzen Rastamähne schon rein optisch sehr beeindruckend wirkt, das kumpelhafte Feeling nun so richtig live auf die werte Bangerschaft zu übertragen. Echte Weltklasseshouter besitzen Charisma, davon hat der sympathische Südamerikaner wirklich reichlich, wie sich während des Gigs feststellen ließ. Der Mann kommuniziert mit den Fans, redet mit ihnen und sie fressen ihm scheinbar aus der Hand. Thrash mit Funfaktor gibt es das? Nur bei Death Angel!
Eine geballte Wall Of Sound schlug der gut abgehenden, fröhlich feiernden Fanschar bei jedem Song entgegen. Das Gitarrenduo trumpfte sicher und herzerfrischend auf, die Rhythmussektion schuf das nötige Grundgerüst und der agile Death-Angel-Fronter mobilisierte geschickt die Massen! Sänger Marc Osegueda fand das BYH-Publikum nach eigenem Bekunden »beautiful« und genoss den Autritt mitsamt Band in vollen Zügen.
Death Angel boten ihren Fans ein bunt gemischtes Programm bestehend aus Songs des aktuellen Scheibchens »The Art Of Dying«, während Songs von Scheiben älteren Kalibers sprich »The Ultra Violence« und »Act III« ebenso Berücksichtigung fanden. Insgesamt gelang es der Thrashformation den Fans im Zuge ihres schweißtreibenden Auftritts große Energiereserven zu entlocken, womit das tolle Stimmungslevel im Publikum ziemlich steil nach oben kletterte. Alle nachfolgenden Bands standen spätestens jetzt vor einer schweren Aufgabe! Toschi

Foreigner (23.06.06)

Foreigner
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Foreigner ohne Lou Gramm? »Das kann ja nicht gut gehen«, dachten wir als wir uns pünktlich um 19:45 Uhr vor der Bühne einfanden. Aber dann als die Band die Bühne enterte wurden wir megamäßig überrascht. Sänger Kelly Hansen (Ex-Hurricane) passt stimmlich perfekt zur Band und ersetzt den fehlenden Lou Gramm auch in puncto Bühnenpräsenz komplett.
Das erste Stück »Bad Game« kam so wie in den 80ern. Es folgten Schlag auf Schlag die Highlights. Bei »Cold As Ice« kletterte der Frontshouter die rechte Bühnenbalustrade hoch, und die Menge tobte! Beim heftigen Midtempostampfer »Dirty White Boy« ließ Gitarrist Mick Jones ein irre langes Leadgitarrensolo vom Stapel. Im Mittelteil von »Urgent« folgte ein spektakuläres mehrminütiges Saxophonsolo von Thom Gimbel. Beim erwartungsgemäß letzten Stück »Juke Box Hero« - welches auch sonst - bauten die sechs ein Teilmedley des Led Zeppelin-Klassikers »Whole Lotta Love« mit ein, ehe sich Gitarrist Mick Jones zum Schluß zur Freude der Fans noch mal so richtig nach Herzenslust austoben durfte.
Ergo: Foreigner haben richtig die Sau gerockt, die guten Resonanzen waren mehr als verdient. Hat wirklich Spaß gemacht! Rike

Count Raven (24.06.06)

Count Raven
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Als am frühen Mittag zähflüssige Lavasounds schleppenden Stonerdoom-Hardrock ankündigten wussten wir, dass Count Raven auf der Bühne standen. Die schwedische Band um Sänger/Gitarrist Dan »Fodde« Fondelius, dessen Stimme noch immer sehr an den »Prince Of Darkness« Ozzy Osbourne in dessen besten Jahren klingt, hat weder in punkto tiefgreifender Schwerblütigkeit noch an Faszination verloren.
Superfettes Stageacting kann, soll und darf man von dieser Band nicht erwarten, dafür jedoch zeitlos schöne Musik, die eine nostalgische Reise zurück in die Vergangenheit der frühen 70er Jahre ermöglicht und bei weitem nicht das geringste bisschen Faszination eingebüßt hat. Count Raven sind diesen kultigen Nostalgietrip zu den Wurzeln der Vergangenheit in jeder Beziehung wert!
Das kleine aber dafür um so erlesenere Count Raven-Publikum dankte den Schweden für eine knappe Dreiviertelstunde Nostalgie pur. Auf eine derartige Zeitreise würde ich mich schon allein des Kultfaktors wegen gern des öfteren begeben. Nach diesen fünfundvierzig doomigen Minuten feinsten Stonerrocks waren Rike und ich bei guter Laune und all zeit bereit für den zweiten Tag! Toschi

Unleashed (24.06.06)

Unleashed
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Unleashed verabreichten dem BYH-Publikum die volle Deathmetalbreitseite! »To Asgard We Fly«, »Hell's Unleashed«,»Death Metal Victory«, »I Don't Want To Be Born«, »The Longships Are Coming«, »Icecold Winterland«, »Defender«, »Into Glory Ride« und als Zugabe »The Immortals« hießen die neun Gehörzertrümmerer, mit denen das Publikum vom knallharten Wikinger-Deathmetal des Schwedenvierers verwöhnt wurde.
»Baaaalingen, scream for me ... Death Metal Victory!!!« rief ein sichtlich erfreuter Unleashed Fronter in die Menge. Anfangs verhielt sich das Balinger Publikum beinahe viel zu ruhig, ehe Bandleader Johnny Hedlund anfing, mit lockeren Sprüchen und heftigen Gesten und Gebärden das Stimmungslevel hochzupushen, (wobei er mehrfach in Testament-Frontmann Chuck-Billy-artiger Manier auf die Bühne spuckte - eine nicht ganz unumstrittene Praktik) und den Fans zum Dank für ihr eisernes Ausharren in der Hitze per Becher oder Horn kaltes Bier über den Kopfreihen ausschenkte. - Sinnvolle Maßnahmen, die im weiteren Verlauf des Unleashed-Sets Wirkung zeigten!
Der Fanpulk ging mit zunehmender Spieldauer aus sich heraus und tobte spätestens zur Mitte des Sets. Ein neuer Song, (dessen Titel mir leider entfallen ist), vom kommenden Album im September wurde ebenfalls vorgestellt. Der Song fügte sich nahtlos ins Geschehen ein. Zumindest gab das Stück schon mal einen ungefähren Vorgeschmack auf das zu erwartende neue Unleashed-Scheibchen. Markige Sprüche des Nordmann-Fronters Johnny Hedlund »You guys are freezing here?«, verliehen der Stimmung im Publikum am heißen Frühnachmittag die richtige Würze. Auf diesen Satz konnte nur der entsprechend passende Song folgen: »Winterland«.
Das gesunde nährstoffreiche deutsche Bier wurde ebenso gelobt, wie die Treue der Fans zur feierlichen Mitgröhlhymmne »Into Glory Ride«, welche das Publikum auf den endgültigen Sieg der Wikinger einschwor und die Nordmänner gegen Ende ihres Sets siegreich von der Bühne stapfen ließ. Doch was wäre eine starke Vorstellung ohne Zugabe? Wie Kuchen ohne Sahne.
Kurz bevor die Band ihren nach schwachem Beginn erfolgreich geretteten Gig beendete bedankte sich Bandkopf Johnny Hedlund höflich mit einer kleinen Rede in gebrochenem Deutsch bei den Unleashed-Fans und erntete hierfür von vielen Seiten ehrenvollen Applaus.
Dem Umstand Rechnung tragend, packte der Schwedenvierer als würdigen Abgang eines würdigen Gigs mit »The Immortals« sogar ein altes Stück aus den Anfangstagen als Zugabe mit drauf, das prima bei den Fans ankam! Unleashed wollen den Deathmetal weder völlig revolutionieren, geschweige denn verändern oder gar neu erfinden. Dafür lieben sie ihre Musik einfach viel zu sehr. Die vier Schweden waren »nur« konstant wie immer. Punkt. Toschi

Armored Saint (24.06.06)

Armored Saint
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Armored Saint räumten nach Unleashed mächtig ab und ließen ein restlos begeistertes BYH-Publikum zurück. Heavy Metal Klassiker reinsten Wassers siehe »The Battle«, »Reign Of Fire«, »Pay Dirt«, »March Of The Saint«, »Delirious Nomad« usw. wurden über die Maßen gebührend abgefeiert, so auch die gesamte Band.
Das Gitarrenduo Joey Vera und Pete Sandoval übertraf sich permanent in traumhaften Gitarrenduellen in Verbindung mit richtig geilen Posen, die zahlreiche Fans zum begeisterten Abbangen brachten oder in atemloses Staunen versetzten. - Weltklasse, was die beiden Saitenhexer in Balingen demonstrierten! Dass (noch oder nicht mehr?) Anthrax-Shouter John Bush bei seiner ex-Band wesentlich besser aufgehoben ist, bewies auch diese starke Session.
Armored Saint haben gezeigt, dass sie zu den grundehrlichsten Kapellen des Planeten zählen und jederzeit mit ihnen zu rechnen ist, - überall! Toschi

Pretty Maids (24.06.06)

Pretty Maids
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Als die »beste Ersatzband« des Festivals angekündigt, legten die Pretty Maids einen Super-Gig auf's Bühnenparkett. Ronny Atkins und Ken Hammer sind Profis, die wissen, was sie wollen.
Dänemarks bester Export neben Faxe (Bier) und dem legendären King Diamond schien es vollkommen schnurz, ob sie als »Ersatzband« auftraten oder nicht, die Dänen rockten so derart straight drauflos, dass innerhalb weniger Minuten nahezu die gesamte BYH-Fläche in eine gigantische Partyzone verwandelt wurde, wobei die Fans mit laut und deutlichen Rufen unmißverständlich klar machten, wem zahlreiche Sympathien halten: den Pretty Maids!!!
Außer dem Dänenfünfer sollte es nur noch dem späteren Headliner vorbehalten bleiben, massig viel Publikum vor die Bühne zu bringen und derartige Begeisterungsstürme auszulösen. Somit erwies sich die vermeintliche »Ersatzband« als wohl kalkulierter Glücksgriff für's BYH!
Das Dänenquintett hielt eine bestens gefüllte Wundertüte diverser Hits parat, darunter »Back To Back«, »Future World«, »Love Games«, »Yellow Rain« und »Rock The House«, die sich allesamt großer Beliebtheit erfreuten, ehe der ultimative Pretty-Maids Rausschmeißer »Red, Hot & Heavy« ein tolles Programm der super aufgelegten Mannschaft um Sänger Ronnie Atkins und Gitarrist Ken Hammer ausklingen ließ.
Das Stimmungslevel für den von vielen sehnsüchtig erwarteten Headliner befand sich nach der furiosen Vorstellung der dänischen Melodicmetaller auf dem Höhepunkt. Die hatten ein sauberes Brett abgeliefert, das nur schwer zu toppen sein würde. Nun waren die Finnen Stratovarius und David Coverdale's »Weiße Schlange« schwer gefordert! Würden beide Bands nach dem hervorragenden Pretty Maids Auftritt am frühen Abend die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können? Toschi

Y & T (24.06.06)

Y & T
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Das Bandkürzel Y & T steht für Yesterday und Today (Gestern und Heute). Ähnlich verhielt es sich mit dem Auftritt der US-Hardrockband um Gitarrist und Frontsänger David Meniketti, auf den viele Fans am Samstag gewartet hatten.
Im Vergleich zum BYH-Auftritt 2003 räumte die Band trotz teilweise frenetischer Publikumsreaktionen dieses Jahr zwar nicht ganz so stark, doch immerhin noch recht gut ab. Daran konnte selbst die Tatsache nichts ändern, dass sich der Y & T-Auftritt mit dem Fußballspiel Deutschland-Schweden überschnitt! Trotz des per Leinwand gezeigten Fußballspiels fand sich eine zu diesem Zeitpunkt recht stattliche Menschenmenge vor der Bühne ein, um den Klängen der Amicombo zu lauschen.
Der Einstieg hätte mit »Hang 'em High« gar nicht besser gewählt sein können! Es folgten »Black Tiger« und zwei weitere Kracher, ehe Y & T zur Mitte des Sets zwei etwas nervig-schleppende Bluesnummern brachten. Danach ging es noch einmal aufwärts, sprich das Tempo wurde wieder merklich angezogen. »Black Tiger«, die gigantische Halbballade »I Believe In You« (mit traumhaft ellenlangem Lead-Solo), »Midnight In Tokio«, ließen den Auftritt zum Genuß werden, ehe »Mean Streak« das Ende einläutete.
Dass Blues Hardrock alter Schule nicht von gestern (Yesterday) sein muss, zeigten Meniketti und sein Team vor allem bei flotteren Stücken, die gegenwärtig (Today) am besten ziehen, während die angestaubten Bluesheuler teilweise eher zum abgewöhnen waren.
Eine Frage stellte sich mir danach zum Schluß immer wieder: Wo blieb der schwere Kick-Ass-Rocker »Open Fire«? Das vielleicht härteste Y & T-Stück blieb (zumindest aus meiner Sicht unerklärlich und irgendwie nicht ganz wirklich nachvollziehbar) völlig unberücksichtigt. Bis auf dieses fast unverzeihliche Manko ein zufriedenstellender Gig, dem allerdings zur Krönung das große »Sahnehäubchen« fehlte. Toschi

Whitesnake (24.06.06)

Stratovarius gaben wir uns nicht mehr. Schließlich musste noch Zeit für Nahrungsaufnahme bleiben. Dafür stieg die Spannung bei David Coverdales Whitesnake beinahe ins Unermeßliche. Stratovarius dürften als Co.Headliner zweifellos einen prima Eindruck hinterlassen haben, denn wo ich auch hin blickte, kribbelnde Spannung und gute Laune soweit das Auge reicht(e).
Als Whitesnake nach zwanzigminütiger (!!!) Verspätung endlich auf die Bühne kamen, brandete riesiger Jubel unter den Fanmassen auf. Whitesnake gelang es, gleich zu Beginn mit dem sicher keineswegs erwarteten, furiosen Eröffnungsstück, dem alten Deep Purple-Gassenhauer »Burn« die Fanmassen zu überraschen. Anschließend folgte das Kuriosum des Abends: Fronter David Coverdale entschuldigte sich bei den ausharrenden Fans für die Verspätung und hatte sogleich einen Kultspruch Spruch erster Güteklasse auf den Lippen, der vom Publikum mit Riesen Beifall bedacht wurde: »Ich bin kein Axl Rose«, - eine klare Andeutung darauf, dass Whitesnake ihren Gig trotz aller Umstände im Gegensatz zu Mr. Axl Doublejuuuuh Pose, der es auf dem Graspopmetalmeeting fertig brachte, seine Fans eine geschlagene Stunde warten zu lassen) durchziehen würden; womit der sympathische Whitesnake-Fronter recht behielt und im Handumdrehen die Herzen des Publikums für sich eroberte!
Danach folgten gleich drei ordentlich rockende Kracher älteren Kalibers: »Slide It In«, »Ready And Willing«, »Fool For Your Lovin'«, die Traumballade »Is This Love« und der unentbehrliche Superhit »Here I Go Again« durften natürlich ebenso wenig fehlen.
Mit Unleashed Chefgrunzer Johnny Hedlund, Gitarrist Fredrik Lindgren und Leatherwolf Sänger Wade Black hatten sich gar illustre Gäste im Fotograben eingefunden, um ihren Idolen Aufmerksamkeit schenkend, die Klassiker der Jugendzeit neu zu erleben. An Whitesnakeboss David Coverdale können sich manche Shouter jüngeren Datums eine dicke Scheibe abschneiden. Hochmotiviert und elanvoll auf der Bühne herum wirbelnd, feuerte der auch in punkto Ausstrahlung und Faszination kaum einen Deut schwächer gewordene Sänger das Balinger Publikum an, das ihm dieses beherzte Auftreten mit zahlreich erhobenen Händen dankte.
Nach dem Überflieger »Here I Go Again« durften sich die Whitesnake Gitarristen nach Herzenslust austoben um sich am Ende ein minutenlang andauerndes, packendes Duell zu liefern, ehe die beiden Hymnen »Crying In The Rain« und »Still Of The Night« (vom 1987er Album) einen definitiv etwas zu kurz geratenen Whitesnake Auftritt würdig beendeten.
Im Vergleich zu David Coverdales bestens aufeinander abgestimmter Elitecrew können heute allenthalben erschreckend lau klingende, überteuerte Poserrockbands wie Bon Jovi, Def Leppard und Deep Purple einpacken. Trotz der seltsamen Umstände hat sich die »Weiße Schlange« eindrucksvoll auf Europas Bühnen zurückgemeldet. Well done, Mr. Coverdale!!! Toschi

Nachwort zum Festival:

Wetter gut, Preise gut, Location gut, Bandauswahl gut und Stimmung im Publikum ebenfalls gut! Vom Hurrican blieben wir dieses Jahr glücklicherweise auch verschont. Nur bei den Headlinern darf man im nächsten Jahr ruhig wieder stärkere Geschütze auffahren. Bitte verschont uns künftig mit den überflüssigen Helloween und In Flames - Die Keeper Zeiten gehören heuer der Vergangenheit an! Wie wäre es mal mit Nocturnal Rites, Kreator, Overkill, Cathedral oder Metal Church und zum Abschluß mit Alice Cooper, Megadeth, Judas Priest und Blue Öyster Cult als Headliner? Vengeance, Armored Saint, Count Raven, Death Angel, Unleashed und Whitesnake waren in der Tat nicht schlecht! Für die Überraschung des Festivals sorgten allerdings Foreigner! BYH, wir kommen wieder im nächsten Jahr ... Toschi und Rike


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Interviews:

Interview: Unleashed, 11.05.2002 Death Metal ist eine natürliche Erklärung an das Leben, den Tot und alles was dazwischen ist
Interview: Vengeance, 05.07.2006 Back In The Ring

CD/DVD-Reviews:

CD-Review: Pretty Maids - Alive At Least
CD-Review: Pretty Maids - Planet Panic
CD-Review: Unleashed - Midvinterblot
CD-Review: Unleashed - Hell's Unleashed
CD-Review: Said And Done - Demo
CD-Review: Vengeance - Soul Collector
CD-Review: Vengeance - Back In The Ring

Live-Reviews:

03.08.2006 bis 05.08.2006: 17. Wacken Open Air (Wacken)
13.05.2005 bis 15.05.2005: Rockhard Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)
17.04.2002: Pretty Maids, Royal Hunt (Ludwigsburg Rockfabrik)
25.05.2007 bis 27.05.2007: Rock Hard-Festival (Gelsenkirchen, Amphietheater)
18.08.2006 bis 19.08.2006: Summer Breeze 2006 (Dinkelsbühl)
05.08.2004 bis 07.08.2004: 15. Wacken Open Air (Wacken)
16.08.2007 bis 18.08.2007: Summer Breeze 2007 (Dinkelsbühl)


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