Interviews

Doro (17.04.2003)

Jedes Album kommt tief aus dem Herzen, es ist vorher nie so geplant

Toschi: Wenn mich nicht alles täuscht, läuft die Tour zu deinem neuesten Album Fight seit letztem Jahr sehr erfolgreich, möglicherweise sogar erfolgreicher als in den vorangegangenen Jahren. Könnte es daran liegen, dass klassischer Hardrock zur Zeit wieder mehr denn je gefragt ist oder liegt es zum Teil auch daran, dass du eine sehr charakterstarke Persönlichkeit bist?

Doro: Man merkt, dass Metal und Hardrock wieder stark im Aufwind sind. Seit der letzten LP Call Of The Wild scheint das wieder so zu sein. Spanien ist unsere Hochburg! Dort haben wir sehr viele Fans. Unsere Musik bekommt viel Resonanz. Es besteht die Möglichkeit, dass man fast überall tourt. Wir touren z.B. auch in Kroatien, Polen etc. und in vielen anderen Ländern der Welt. Im nächsten Jahr touren wir sogar erstmals in Australien!

Was hat dich zu dem Titel Fight inspiriert?

Zwei Songs. I Will Fight By Your Side ist ein Antikriegssong. Unsere damalige Plattenfirma sträubte sich sehr gegen den Song, da sie der Meinung war, dass es nicht gut wäre, zu stark die Politik darin einfließen zu lassen. Das würde sich mit der Musik nicht vereinbaren lassen. Als wir Fight produzierten, lagen bereits Spannungspunkte in der Luft. I Will Fight By Your Side ist ein passender Antikriegssong zur aktuellen Lage in den USA.
Der zweite Song heißt Always Live To Win. Mit der Boxweltmeisterin Regina Halmich verbindet mich schon seit Jahren eine gute Freundschaft. Sie kam irgendwann zu mir und fragte mich, ob ich eine Einzugshymne für sie komponieren könne. Zuerst hatte sie sich fast schon für Always Live To Win entschieden, doch als sie dann Fight hörte, entschied sie sich prompt für diesen Song, der ihr auf Anhieb gefiel. Dieser Titel steht für das Positive und das Gute, für das erfrischende, belebende Element in uns!

Das neue Album ist sehr stark Rock 'n' Roll-lastig ausgefallen und mit einer mächtigen Portion Groove versehen. Hast du damit beabsichtigt, bewusst »back to the roots« zu gehen?

Jedes Album kommt tief aus dem Herzen, es ist vorher nie so geplant. Es enthält keine Computerfrickeleien, das mögen wir nicht. Es klingt natürlich und kommt aus dem Herzen. Es ist ehrlich, nicht poliert und nicht künstlich. Die Musik kommt direkt aus dem Bauch heraus. Ich bin froh, dass die Grunge-Welle vorbei ist. Das hatte nicht viel mit Metal zu tun!

Ich auch!

(Nickt und lacht) Bis auf Nirvana (in ihren Anfängen, noch weit bevor Curt Cobain Selbstmord beging) haben mir die anderen Bands nicht so sehr gefallen.

Das ging mir ebenso. Ich bin froh, dass die Grunge-Zeit endlich vorbei ist!

(lächelt) Bei unserem letzten Album ist es uns erstmals gelungen, die gesamte Band in einem Raum aufzunehmen und nicht, wie es sonst normalerweise häufig üblich ist, jeden Part einzeln, z. B. die Gitarren, den Gesang etc. abzumischen und aufzunehmen. Das hört man dem Album auch an.

Mit Hoffnung befindet sich auch ein in deutsch gesungenes Stück auf dem Album, das stark an die Superballade Für immer erinnert. Gibt es diesbezüglich Unterschiede?

Ja. Im Thema. Bei den deutschen Songs greift man die Dinge auf, die einen bewegen. Hoffnung ist ein aktuelles Thema. Die ständig wachsende Unsicherheit sowie die momentane politische und wirtschaftliche Lage haben mich sehr bewegt.

Das Duett mit Peter Steele von Type O' Negative auf deinem neuen Album ist interessant. Wird es auch zukünftig solche Experimente geben? Ich meine, du hast ja schon früher mit anderen namhaften Gastmusikern zusammengearbeitet ... u.a. mit Gene Simmons. Mit wem würdest du gern wieder oder irgendwann einmal zusammenarbeiten, sei es als Gastmusiker oder als Produzent?

Auf der letzten Platte Call Of The Wild hatten wir Lemmy. Eine Zusammenarbeit mit Ronnie James Dio wäre klasse. Ein Duett mit Udo wie bei Dancing Like An Angel könnte ich mir auch wieder vorstellen ... das wäre ebenfalls wieder eine prima Sache!

Die guten Resonanzen in Wacken und auf dem Bang-Your-Head-Festival haben es klar gezeigt; das letzte Jahr schien ein sehr erfolgreiches für dich zu sein. Gerade die alten Warlock-Nummern kamen super an. Spielst du sie auch zukünftig häufiger oder wird dein Live-Set gemischt sprich zur einen Hälfte aus alten Warlock Nummern und zur anderen Hälfte aus Stücken deiner Doro-Alben bestehen?

Beides. Immer gemischt. Auf jeder Tour versuchen wir Überraschungen zu spielen. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Fans sehr über True As Steel und Earthshaker Rock gefreut haben.

Ja. Das kann ich als einer von ihnen voll bestätigen.

Es wird auch zukünftig wieder einige Überraschungen in unserem Set geben, d.h. es können auch Nummern gespielt werden, die man sonst kaum oder fast nie hört.

Dazu hätte ich eine Idee: Wie wäre es beim nächsten Mal mit Touch Of Evil?

Zum Beispiel. Wir haben es bereits vor längerer Zeit einmal gespielt und könnten es beim nächsten Mal wieder in den Set mit reinnehmen. Das ist eine gute Idee!

Du bist sicher für viele Metaller (auch für mich) eindeutig die Metal-Queen, nicht nur national, sondern auch international. Schon zu den alten Warlock-Zeiten in den 80ern hast du den klassischen Heavy-Metal entscheidend mitgeprägt. Gibt es andere Frauen, die deiner Meinung nach den Metal ebenfalls entscheidend beeinflusst haben und deshalb kaum aus der Metalszene wegzudenken sind?

Auf alle Fälle Lee Aaron, die Kanadierin, da war ich früher immer ein großer Fan von, ich habe ihre Scheiben immer sehr gern gehört. Sie hat eine tolle Stimme; oder Sabrina Classen von Holy Moses, die mag ich auch. Das ist zwar kein True-Metal, aber bei ihr geht immer gut die Post ab oder Lita Ford - unser Gitarrist Joe kommt von dieser Band. Ihr Duett mit Ozzy in dem Song »Close My Eyes Forever« finde ich sehr gelungen.

stimmt...und Ann Boleyn von Hellion?

Ann Boleyn! Ja, richtig. Die hätte ich beinahe vergessen. Sie gehört auf jeden Fall dazu, sie ist auch schon lange dabei! Unser Basser Nick ist gut mit ihr befreundet. Dann gibt es auch noch Anne Wilson von Heart, die früher in den 80ern eine ganz große Inspiration für mich gewesen ist.

Und Jutta Weinhold von Zed Yago?

Ja, die ebenfalls und vergiss nur nicht Wendy o Williams!

Die bereits verstorbene Wendy o Williams von den Plasmatics?

Genau. Auch sie hat ihren Beitrag geleistet. Die musst du unbedingt dazuschreiben.

Kein Thema, ist notiert!
Könntest du dir vorstellen, auch an anderen Projekten mitzuwirken, z.B. in Form einer Metal-Oper, siehe Tobias Sammets »Avantasia«?

Ja. Ich probiere gern neue Sachen aus, die für mich ein Abenteuer sind. In einer Woche gibt es in der Bochumer Zeche eine Klassik-Metalnight. Das haben wir bereits vor einem Jahr in der Düsseldorfer Turnhalle gemacht und es war eine ganz tolle Sache. Es ist einfach mal etwas ganz anderes, die eigenen Stücke mit einem anderen Hintergrund z.B. mit Streichinstrumenten unterlegt, in ein klassisches Soundgewand gekleidet zu hören oder vom Orchester begleitet, zu spielen. Das ist eine ganz tolle Sache. Ein Duett mit John Beauvoir von Crown Of Thorns haben wir ebenfalls gemacht.

Worin liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen deinen vorherigen Alben und dem aktuellen Output Fight?

Das neue Album Fight ist wieder sehr powervoll, rauher. Es steckt mehr Energie, mehr Rock 'n' Roll darin und es ist gefühlvoller. Es geht mehr zurück zu den Wurzeln. Es ist natürlich, pur, nicht künstlich und schon gar nicht poliert. Es kommt aus dem Herzen und der Seele. Es kommt direkt aus dem Bauch heraus. So sollte es meiner Meinung nach auch klingen, wobei die gesamte Band in den Entstehungsprozess mit einbezogen gewesen ist.

Zum Abschluss noch drei kleine Fragen, die ich dir schon immer mal stellen wollte:
Was machst du gern privat oder in der Freizeit, wenn du nicht auf Tour bist?

Meistens gibt es gar keine Freizeit. Eigentlich sind wir immer im Studio oder auf Tour. Musikerin ist ein Full-Time-Job.

Welche Bands haben dich musikalisch beeinflusst und welche Bands hörst du momentan am liebsten?

Kiss, Led Zep, Motörhead, W.A.S.P. Metallica, Priest ... nach wie vor all diese Gruppen, (meine alten Faves aus der klassischen Richtung), sowie True-Metal, Rammstein, Type o' Negative, Danzig ...

Wie beurteilst du die aktuelle Situation in der Metal-Szene?

Es geht momentan gut ab und wieder aufwärts. Viele junge Fans entdecken den Metal wieder. Das ist gut so!

Vielen Dank für das prima Interview Doro und viel Erfolg für deine weitere Karriere!

Danke! Ich wünsche dir und dem Met@llic-Magazin ebenfalls viel Erfolg.

Toschi

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CD-Review: Doro - Fight
DVD-Review: Doro - Für immer

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17.04.2003: Doro, Rawhead Rexx, Judge For Yourself (Ziegenhain, Kulturhalle)
01.08.2002 bis 03.08.2002: Wacken Open Air 2002 (Wacken)


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