Interviews

Das Scheit (30.09.2008)

Weltherrschaft wäre jetzt blöd zu sagen oder?

Gerade aus deutschen Landen haben mich in den letzten Monaten immer mehr Bands extrem positiv überrascht und überzeugen können, egal ob es um Totenmond, The Vision Bleak, Dark Age oder auch Coogans Bluff ging. Und schon wieder geht mir ein dicker heimischer Fisch ins Stimmungsnetz: Das Scheit legen uns ihr viertes Album »So Far From God … So Close To You« vor, welches mich angenehm aus den Socken haut. Ich kannte zwar bisher weder die Band noch die Vorgängeralben, was jedoch die coole Melange aus Gothic/Metal, etwas Industrial und Elektronik betrifft, war sogar ich als »eigentlicher« Death Metal Fanatiker sehr schnell davon überzeugt, dass das Album ein kleines Meisterstück ist! So einfach ist das. Sänger Clint fackelte auch nicht lange um meine Neugier zu stillen …

Dirk: Moin Jungs, ich hoffe ihr seid mit meiner CD Kritik einverstanden?

Clint: Hi Dirk! Nein, keine Korrekturen nötig. Kompliment, man merkt wirklich, dass du dich mit dem Album befasst und es wohl verstanden hast.

Das höre ich doch gerne! Ich kannte euch bisher leider gar nicht … Seit wann gibt es Das Scheit und aus welcher Stadt seid ihr eigentlich?

Die Band besteht bereits seit 1996, wobei Sascha und ich bereits schon vorher in Bands zusammengearbeitet haben. Wie zwei wohnen in Rüdesheim am Rhein, der Stadt des Asbach-Uralt. Zufall? Ich glaube NEIN

Na nach Asbach-Uralt hört sich eure Musik glücklicherweise nicht an, ha ha. Ihr seid keine klassische Metalband sondern insofern grenzüberschreitend, als dass ihr auch vor Elektronik und Tanzbarkeit nicht zurückschreckt. Aus welchem Genre kommt ihr eigentlich ursprünglich und wie beurteilt ihr eure Chancen, mit dem neuen Album auch in der Metalwelt gebührend beachtet zu werden? Wo fühlt ihr euch zu Hause?

Ursprünglich kamen wir damals schon aus der Metal und Thrash-Metal-Richtung, wie wohl jeder der 1983 »Kill em All« in den Händen hielt und liebte. Aufgrund unseres persönlichen Geschmacks, der sich im Laufe der Jahre stark veränderte, ist es mittlerweile auch möglich aus Songs von Madonna oder Kylie Minoque Inspirationen zu erfahren. Das stößt vermutlich manchen Metalheads auf, aber uns ist es wichtig open-minded zu sein. Ein guter Song ist ein guter Song, ganz egal wie er instrumentiert ist. Beachtung finden wir speziell in der Metalwelt auf jeden Fall: Manche lieben uns für die Offenheit, andere hassen uns. Es war aber nie unser Ziel jedem gerecht zu werden. Zuhause fühlen wir uns überall dort, wo man sich fair mit unserer Musik auseinandersetzt.

Recht hat er! Ich denke auch, die Zeiten, in denen man mit dem bösen Wörtchen »untrue« gehandelt hat, sind auch glücklicherweise vorbei. Gerade als »älterer« Musiker darf und sollte man auch mal den weiteren Blick über den Tellerrand wagen dürfen. Toleranz, Offenheit und Fairness – Ich finde eure Antwort jedenfalls sehr gut und erwachsen. Noch einmal zurück zu eurer Geschichte: Drei Alben habt ihr bisher veröffentlicht und dabei auch schon genügend internationale Szeneluft schnuppern können. Haben es deutsche Bands generell schwieriger als andere um auf sich aufmerksam zu machen oder seid ihr mit den bisherigen Erfolgen von Das Scheit zufrieden?

Als deutsche Band hat man es vielleicht international etwas schwerer, vor allem, wenn man mit verschiedenen Genres spielt und anfängt sie zu mischen. In Deutschland selbst jedoch hat man oft den Eindruck, dass das Schubladendenken noch stärker ausgeprägt ist als anderswo. Wir sind glücklich mit der aktuellen Entwicklung der Band, aber zufrieden sind wir noch lange nicht.

Ich denke du sprichst unzähligen deutschen Bands aus der Seele! Erstaunlicherweise erscheint euer neues Album über das deutsche Twilight Label. Wie kam es denn zu dieser Kooperation?

Twilight hörte drei Songs des Albums und wollte gleich mit uns zusammenarbeiten. Wir hatten noch andere Offerten und konnten uns in der komfortablen Situation wähnen, zwischen mehreren Labels auszuwählen. Heute sind wir sehr glücklich uns für Twilight entschieden zu haben. Das Arbeiten dort ist sehr familiär und trotzdem professionell. Wir fühlen uns in dem Umfeld pudelwohl und gibt uns zu verstehen, dass man an die Band glaubt. Und nebenbei mögen wir uns menschlich auch sehr.

Eure Bruce Springsteen Coverversion finde ich ausgesprochen gelungen und die Gasteinsätze von End Of Green und To/Die/For finde ich sehr bereichernd und wirklich stimmig. Ihr schreckt nicht einmal vor einem Rödelheim Hartreim Project Cover (welches ich sehr geil finde) zurück, was zeigt (bzw. noch mal unterstreicht), dass ihr einerseits die Augen in alle Richtungen offen haltet, andererseits aber auch mit ganzem Herzen in/an der gesamten Musik Szene engagiert/interessiert zu sein scheint? Seid ihr so richtig aktiv in Sachen Underground? Wie kam es zu den Gasteinsätzen und ungewöhnlichen Coverversionen?

Wie erwähnt sind wir allen Szenen gegenüber aufgeschlossen. Die Kunst einer Coverversion liegt doch darin, genrefremde Musik in das eigene Gewand zu hüllen. Ich war großer Fan des ersten Rödelheim Hartreim Albums und der Song passt lyrisch perfekt in unser Konzept. »Because The Night« wollten wir schon länger covern, aber erst durch Jape und Michelle sollte das Ganze noch spezieller werden. Beide kennen wir durch diverse, gemeinsame Touraktivitäten und wir pflegen ein freundschaftliches Verhältnis, was unsere Studio-Videodiarys wohl beweisen haha.

Wo wir gerade bei anderen Musikern sind: Wen würdet ihr als eure Einflüsse bezeichnen?

Meine Einflüsse erstrecken sich von The Cure über Tori Amos, bis hin zu Acts wie Rhianna, wobei natürlich auch Bands wie Nine Inch Nails, White Zombie und Konsorten einen großen Anteil haben. Von Marilyn Manson möchte ich hier mal Abstand nehmen. Bei den letzten Alben waren die Vergleiche sehr grotesk. Eine ähnliche Optik reicht wohl vielen schon aus, auch musikalische Parallelen zu hören, die meiner Meinung nach gar nicht vorhanden sind.
Sascha hingegen ist mehr von Movie-Soundtracks beeinflusst, was wohl den atmosphärischen Teil unseres Sounds ausmacht. Wirfst du das alles in einen Topf bekommst du das Gebräu Das Scheit.

Ihr setzt euch inhaltlich auf »So Far From God« mit der Vereinsamung eines Menschen auseinander. Woher kommen all die Textideen und Inspirationen dafür? Seid ihr eher depressive Gesellen, um die man sich Sorgen machen müsste?

Wir sind ganz sicher nicht depressiv, aber uns schien bisher auch nicht immer die Sonne aus dem Arsch. Alle Texte und die Story sind jedenfalls aus persönlichen Situationen entstanden und von unserem Leben beeinflusst. Insofern das Authentischste was ich bisher geschrieben habe. Wer sich in solchen Situationen noch nicht befand, wird den Zugang zur Story auch nicht gleich finden.

Wer von euch ist »So Far From God«? Seid ihr irgendwie religiös motiviert?

Mit GOD ist nichts Religiöses gemeint. In erster Linie sind wir unser eigener Gott und das Wort stellt in diesem Zusammenhang das dar, was uns als Individuen ausmacht.

Ihr habt mit Markus Teske aufgenommen und euch einen fetten, sehr überzeugenden Sound bescheren lassen. Markus Teske war mir bisher leider noch gar kein Begriff! Könnt ihr da etwas Licht ins Dunkel um seine Person bringen? Wie verliefen die Aufnahmen? Wie lange habt ihr gebraucht und gibt es irgendwelche schrägen Anekdoten zu berichten?

Mit Markus arbeiten wir schon seit unserem Debüt zusammen. Bei ihm produzierten Bands wie Vanden Plas oder etwa Weissglut, die damals sehr stark waren. Wir zählen ihn mittlerweile zum engen Freundeskreis der Band und er ist so etwas wie ein weiteres Bandmitglied. Außerdem ist er ein begnadeter Musiker und auch menschlich der Knüller. Bei den aktuellen Aufnahmen warnten wir ihn vor, dass es etwas feucht-fröhlicher werden könnte, wenn Jape und Michelle auftauchen. Ich vergesse nie, wie er an diesem Tag mit verschränkten Armen vor dem Kopf auf dem Mischpult lag. Er sagte: »Ihr habt gesagt, das Böse kommt in die Stadt und es wird schlimm. ES IST SCHLIMMER!!! Gib Jape mehr Vodka und lass uns die Takes abschließen.« (lacht)

Ui, ha ha, die Jungs lade ich wohl auch mal ein! Kommen wir zu einem alten, aber immer wieder netten Spielchen: Wie wäre es mit ein paar kurzen Kommentaren/Sätzen zu den folgenden Begriffen?

Crematory?

Nicht meine Welt

Pain?

Meine Welt

Wave Gothic Treffen?

Genialer Event und es war toll dort schon gespielt zu haben und es hoffentlich bald wieder zu tun.

Death Metal?

Die Göteborgfraktion rödelt hier auch ordentlich im Player

Underground?

Mittlerweile fast inexistent. Tapetrading gibt es wohl nicht mehr haha. Übrigens besitze ich ein Original des »No Life 'til Leather«-Demos. Das war Underground!!!

Jobs neben der Band?

Ich jobbe um zu überleben. Für alle steht die Band an oberster Stelle und alle verdienen ihre Kröten irgendwie mit Musik.

Myspace?

Ein Geschenk des Himmels, das ideale Promotool.

Download Problematik?

Man kann es nicht unterbinden, deshalb sollte man es positiv sehen. Man erreicht zumindest viele Menschen durch das Kopieren von Musik, wenigstens ein positiver Nebeneffekt.

Erfolg?

Essentiell und ein Antrieb.

Danke!

Geht ihr demnächst vielleicht auf Tour? Was wäre ein echtes Traumpackage für Das Scheit? Könnt ihr die dichten, teilweise elektronischen Songs live überhaupt reproduzieren?

Einige Gigs wie etwa mit Lacrimas Profundere oder End Of Green stehen an. Wir halten gerade Ausschau nach einer passenden Tour. Ein Traumpackage wäre natürlich mit Bands wie NIN, Pain oder aber auch Apoptygma Berzerk. Jeder der eine Show von uns sehen wird, wird bestätigen, dass wie die Songs auf die Bühne bringen, vielleicht noch einen Zacken intensiver!

Wie geht der Weg für Das Scheit weiter? Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?

Weltherrschaft wäre jetzt blöd zu sagen oder?

Soweit für heute – Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg mit »So Far From God« – Die letzten Worte gehören daher euch!

Danke für das Interview, Dirk. Für alle anderen, kommt zu unseren Shows und trefft uns anschließend an der Bar.

Dirk

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