Interviews

Draugnim (19.09.2008)

Die Kälte zieht dir direkt in die Knochen!

Die finnischen Draugnim sind in der internationalen Szene bisher ein eher unbeschriebenes Blatt, obwohl sie bereits seid 1999 existieren. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die gesamte Viking/Pagan und Black Metal Szene deren neues Album »Northwind's Ire« ordentlich abfeiern wird. Mit Morior von Draugnim hatte ich kürzlich einen außerordentlich redefreudigen und sprachlich gewandten Interviewpartner. Wärmste Empfehlung: Lest euch mit dem Interview ordentlich warm und legt euch danach Draugnims hammerstarkes Debüt »Northwind's Ire« zu!

He Morior, wie wäre es mit ein paar einstimmenden, »historischen« Worten zu euch?

Hallo, ich, der Morior, bin Gitarrist von Draugnim und lebe in Espoo in Finnland seit nun 20 Jahren. Um 1995 herum habe ich begonnen Songs zu schreiben und im Lauf der Jahre bis 1998 wuchs der Gedanke, das Projekt in eine richtige Band umzuformen. So habe ich einen Freund von mir, den Chimedra, gefragt, ob er nicht einige Lyrics zu meinen Songs beisteuern will. Ich hatte ihn bis dato nur auf einem Demo gehört, welches mich aber völlig überzeugen konnte.
In dem Moment, in dem wir unser erstes Album aufnahmen und Chimedra die ersten Schreie los ließ, mit denen er mir das Hirn wegpustete, wusste ich sofort, dass er der richtige Mann bzw. Sänger für Draugnim ist. Turms kam kurze Zeit später hinzu und so ist das auch bis heute geblieben. Wir haben dann noch ein paar weitere Demos aufgenommen, aber es dauerte dann bis 2007, als wir mit »Sworn To Waves« einen Deal bei Spikefarm bekamen.

Wer sind denn eure Haupteinflüsse?

Musik beeinflusst mich generell irgendwie, von Pink Floyd bis Mütiilation kann ich mir alles geben, aber ich denke die Bands mit dem wohl größten Einfluss waren bzw. sind Bathory, die frühen Enslaved, Einherjer, Isengard, Darkthrone und der frühe Neunziger Metal insgesamt. Diese Liste wäre einfach endlos …

Kann ich gut nachvollziehen, ha ha. Kommen wir man zum Technischen: Ihr seid auf einem absoluten Top Level. Habt ihr denn noch irgendwelche anderen Bands nebenher oder bereits in anderen namhaften Bands gespielt, dass ihr einen solch hohen Standard zu spielen in der Lage seid? Wie alt zur Hölle seid ihr eigentlich?!

Ich bin 27 und zur Zeit spiele ich in keiner anderen Band außer Draugnim. Ich habe weder die Zeit noch den Wunsch etwas anderes zu tun als mich voll und ganz auf Draugnim zu konzentrieren. Es ist ein großer Teil von mir und mein ganzes Herz steckt darin. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie wir dahin gekommen sind, was wir jetzt sind (bzw. können), aber ich vermute es sind einfach die zahllosen Stunden und die Jahre der Übung, die uns soweit gebracht haben.
Was die technische Seite betrifft: Ich halte mich keineswegs für ein Gitarrengenie oder so! Ich habe einfach mal irgendwann angefangen mit dem Spielen und mich dann weiterentwickelt. Ich habe nicht den leisesten Hauch einer Ahnung was Skalen oder Noten betrifft, ha ha. Aber das macht ja eigentlich nichts, so lange du glücklich sowie in der Lage bist, die Dinge zu spielen, auf die du Bock hast!

Recht hat er! Hab ich das eigentlich richtig gelesen, dass euer neues Album »Northwind's Ire« nur als weiteres Demo geplant war? Wie seid ihr denn damit eigentlich zu Spikefarm gekommen?

Nein, diese Info ist falsch. Bevor wir das »Sworn To Waves« Demo aufnahmen entschieden wir, dass dieses unser letztes Demo sein wird. Gegebenenfalls hätten wir auch eine längere Pause eingelegt. Wir dachten »do or die«, jetzt oder nie.
Glücklicherweise liefen die Studioaufnahmen wirklich gut und wir haben unmittelbar Rückmeldungen auf das Demo von mehreren Labels bekommen. Spikefarm haben von allen vom ersten Tag an das größte Interesse gezeigt uns unter Vertrag zu nehmen, und nach ein paar Rücksprachen sind wir letztlich bei ihnen gelandet. Ich denke wir können sehr glücklich sein wie die Dinge laufen. Wir haben uns dann entschieden die Demosongs für das Album erneut aufzunehmen, weil wir dachten, dass es gut sei diese Songs jedem zugänglich zu machen, denn wir mögen die Songs sehr gerne und von »Sworn To Waves« gab es auch nur 150 Demos.

Leider liegt mir zu eurer Veröffentlichung »Northwind's Ire« kein Booklet bzw. die Texte vor. Was gibt's denn hierzu zu berichten?

In den frühen Tagen sowie auf den Demos waren wir von früher skandinavischer Folklore beeinflusst sowie von den alten Pagan Dingen, es ging auch um die Zerstörung alter Traditionen durch den neuen Glauben. Von hier ausgehend haben sich die Texte gewandelt und es geht nun eher um verschiedene Archetypen in Verbindung mit unterschiedlichen Mythologien.
Wir verachten natürlich monotheistische Religionen, das ist eine Inspirationsquelle für die Texte. Das bedeutet nicht, dass wir predigen oder philosophische Standpunkte vertreten, bei Draugnim geht es vor allem um eine gewisse Atmosphäre und der Fokus der Texte liegt darauf, die Stimmungen eines jeden Songs zu unterstützen.
Der Name »Northwind's Ire« stammt von den fiesen eisigen Winden die durch Finnland ziehen und uns kalte Luft vom Nordpol bringen, im Sommer wie im Winter. Du merkst wirklich wenn der Nordwind aufzieht, denn seine Kälte zieht dir direkt in die Knochen!

Diese Kälte kann man auf dem Album auch durchaus hören! Und das ist absolut positiv gemeint! Kommen wir mal zum Aspekt Promotion: Auf eurer Myspace Seite habe ich gesehen, dass Draugnim aus drei Musikern aber keinem Schlagzeuger bestehen. Wer hat denn dann die Drums auf Eurem Album gespielt? Sucht ihr nach neuen Mitgliedern?

Nun, wir haben entschieden, dass nur wir drei die festen Mitglieder bei Draugnim sind, so können wir am besten arbeiten. Wir haben Repe Misanthrope von Impaled Nazarene gefragt ob er auf »Northwind's Ire« trommeln kann. Er hat einen super Job hingelegt und wir hoffen, dass er auch in Zukunft für Draugnim trommeln kann. Nebenbei haben wir Eve von MyGrain engagiert, damit er bei Livekonzerten die Keyboards spielt. Zur Zeit suchen wir nach dem letzten Puzzleteil, nämlich einem zweiten Gitarristen der live mit uns spielen kann!

Da wünsche ich euch doch viel Glück. Wo du gerade vom Ausleihen anderer Musiker sprichst: Könnt ihr uns denn etwas über die finnische Pagan und Folk Szene berichten? Gibt es bei euch einen echten Pagan/Folk Underground mit entsprechenden Magazinen, Bands und eine echte Gemeinschaft?

Ich muss zugeben, dass ich mich mangels Zeit nicht richtig damit befassen kann. Das bisschen was ich gesehen habe war lediglich, dass es keine speziellen Medien gibt, die sich nur mit Pagan oder Folk beschäftigen. Es ist vielmehr überall ein übergreifender Mix aller Stilrichtungen vorhanden. Natürlich kommen eine Menge Folkbands aus Finnland, aber ich bin wirklich kein Fan dieser modernen Folk Szene, ich kümmere mich da mehr um die alten Alben …

Fliegen wir von Finnland nach Deutschland: Wart ihr denn schon mal in Deutschland? Was wisst ihr über unsere Szene? Welche deutschen Bands kennt oder mögt ihr?

So um 1991 herum war ich als Kind mal in Hamburg und Bremen, aber ich kann mich eigentlich an nicht viel erinnern. Das Wetter war sehr schlecht und überall war nur grau in grau zu sehen. Sagen wir mal, ich bin eher dran vorbeigefahren. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja eines Tages mal rüber um einen Gig zu spielen oder so?! Ich weiß nicht viel über deutsche Bands, da gibt es lediglich die Band Trist die ich kenne und mag, die haben so eine schöne Atmosphäre auf den letzten Alben!

Hm, schade. Mal zu etwas ganz anderem: Habt ihr realisiert, dass große Teile der Pagan Szene traurigerweise rechten Ideologien fröhnen? Sind politische Interessen überhaupt von Belang für Draugnim?

Natürlich gibt es immer Leute, die Musik als politisches Statement benutzen, aber ich persönlich interessiere mich nicht besonders für Politik. Reine Zeitverschwendung wenn du mich fragst. Draugnim werden niemals Vertreter einer politischen Meinung sein.

Das ist ein Statement das man akzeptieren kann, wenn es auch für meinen Geschmack sehr kurz ausfällt und nicht gerade eindeutig ist. Kommen wir zurück zur Band: Was war denn, abgesehen vom Label Deal mit Spikefarm, der bisher größte Erfolg für Draugnim? Was bedeutet Erfolg überhaupt für euch?

Wir haben für die Zeit vor dem Deal eigentlich keine nennenswerten Erfolge zu verzeichnen, aber natürlich war die Veröffentlichung von »Sworn To Waves« ein Höhepunkt nach all den Enttäuschungen für uns. Wir haben super Rückmeldungen bekommen und zur Zeit versuchen wir dieses qualitative Level auszubauen. Für mich bedeutet es die größte Befriedigung und es verschafft ein Gefühl von Erfolg wenn wir Rückmeldungen unserer Hörer bekommen. Egal ob sie deine Sachen mögen oder nicht, wir nehmen das alles zur Kenntnis und versuchen uns stetig zu verbessern.

Habt ihr denn den Traum eines Tages von Draugnim leben zu können? Welche anderen Jobs habt ihr überhaupt?

Nein, ich hätte nie gedacht, dass Draugnim eines Tages überhaupt mal Geld abwerfen, aber Geld ist auch nicht der Grund warum wir das machen. Musik kommt aus dem Herzen und so lange das so bleibt werden wir weitere Platten machen. Ich bin glücklich. Im normalen Leben studiere ich und arbeite nebenher ein wenig. Nichts aufregendes, nur ein wenig simple Arbeit.

Was können wir denn in Zukunft von euch erwarten?

Nun ja, wir hoffen ein paar Liveshows aufgabeln und spielen zu können sowie neue bessere Alben zu machen. Die Zukunft sieht gut für uns aus, aber wir müssen erstmal einen Schritt nach dem anderen machen. Warten wir es ab.

Die letzten Worte gehören natürlich euch!

Danke fürs Interview und schwelgt in den »Ire Of The North«!

Dirk

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