Interviews

Nocturnal Rites (30.10.2005)

die Balance zwischen Melodien und Aggression ist unser Markenzeichen

Viel ist passiert bei den Schweden Nocturnal Rites: Eine Doppel-CD, ein neues Werk und eine Europa-Tour dazu! Auf ihrem Erfolgkurs lässt das Quintett keinen Halt aus. Zeit für ein Interview mit Bassist Nils:

Tanja: Hallo Nils! Weil gerade viel im Nocturnal Rites Camp passiert, denke ich, ist es an der Zeit, wieder einmal nachzufragen, was es so Neues gibt ... Lass uns doch mit dem 10-jährigen Bandbestehen anfangen. Kannst Du Dich noch erinnern, wie es war, als Nocturnal Rites gegründet wurde?

Nils: Fredrik formte die Band im Jahre 1990 und ich kam ein Jahr später dazu. Du musst wissen, damals machten wir das Ganze als ein Hobby und nur, weil es super viel Spaß machte. Wir probten im Jugendzentrum und hatten dort auch unsere Shows. Wir träumten nicht von einer Welttournee oder davon, dass wir jemals Fans weltweit haben würden oder aber, dass wir viele Platten verkaufen würden und unsere Musik im Radio hören würden oder uns selber im Fernsehen begutachten könnten. Wir hingen nur zusammen rum und spielten Musik. Heute bin ich sehr froh, dass wir das taten - andererseits hätten wir angefangen, etwas Dummes zu tun, z. B. Fußball zu spielen, haha ,,,

Welcher war der Hauptgrund, weshalb ihr Nocturnal Rites gegründet habt?

Weil zu dieser Zeit, jeder, der mit Fredrik rumhing, Musik machte, irgendwie. Es gab eine Menge Kids, die Metal liebten. Und vor allem das Interesse an Death Metal wuchs schnell. Ich kam in die Band, weil ich immer in einer Band spielen wollte und Fredrik und Tommy (Drummer zu dieser Zeit) waren wirklich coole Jungs.

Ihr habt Death Metal gespielt und Eure Band hieß Necronomic bevor ihr sie in Nocturnal Rites umbenannt habt. Warum habt ihr Euren Bandnamen geändert, ebenso Euren Stil und auch einen neuen Sänger genommen?

Wie ich sagte, zu dieser Zeit mochten viele Kids Entombed, Unleashed und solche Bands. Death Metal war groß und ich denke, es war leicht für uns, mit dieser Art von Musik anzufangen. Es dauerte nicht lange und wir begannen Einflüsse zu verarbeiten, mit denen wir aufwuchsen - guter, alter Heavy Metal. Für uns war das ein natürlicher Schritt und nichts, das wir geplant hatten. Haha, ich denke, wir waren unserer Zeit ein wenig voraus. Wir haben bereits 1992 Death mit Heavy Metal gemischt. Deswegen sollte die Ehre nicht nach Göteborg, sondern nach Umeå gehen! Wir holten einen neuen Sänger, weil wir dachten, wir sind ein wenig eingeschränkt mit den Death Metal Vocals. Wir wollten verschiedene Dinge tun.

Warum habt ihr Eure beiden Alben »In A Time Of Blood And Fire« und »Tales Of Mystery And Imagination« re-released?

Weil das erste Album auf einem ganz kleinen Label released wurde mit ungenügendem Vertrieb. So war bereits das Album innerhalb eines Jahres schnell ausverkauft. Seit diesem Zeitpunkt haben wir immer wieder, fast täglich, von Leuten Emails bekommen, die dieses Album wollten. Wir dachten, die Zeit ist jetzt reif, nach zehn Jahren, es zu re-releasen. Das zweite Album war nur ein Bonus, genauso wie das andere Zeug drauf (die neu aufgenommenen Versionen, die Japan Bonus Songs und die Video Enhancements).

Ihr habt zwei Shows mit einem Philharmonischen Orchester in Umeå bestritten. Das war Anfang April 2005. Warum das? Und wie denkst Du über die ganze Geschichte?

Weil wir gefragt wurden, ob wir mitmachen wollten und weil der Dirigent und die Arrangeure erstklassig waren. Wie hätten wir da nein sagen können, wenn wir einen international gefeierten Dirigenten und auch 50 Musiker mit uns auf der Bühne hätten? Ein Traum wurde wahr. Die beiden Shows waren ausverkauft und es war einfach erstaunlich. Alles wurde zur späteren Verwendung aufgezeichnet und das Material sieht einfach nur brillant aus.

Lass uns zum neuen Album »Grand Illusion« kommen. Welcher ist Dein Lieblingssong darauf und warum?

»Fools Never Die«, weil er so einfach gestrickt ist und einfach geradeaus geht. Kein um den heißen Brei herum reden, nur einfach und eingängig, Metal in Rohform. Ich mag außerdem »Still Alive«, weil es sehr melodisch und eingängig ist, gleichzeitig aber sehr roh und aggressiv. Ich denke, die Balance zwischen Melodien und Aggression ist unser Markenzeichen. Wir schreiben sehr eingängige Songs, die aber nicht nach Pop Songs klingen. »Never Trust« ist weiterhin mein Fave aus den gleichen Gründen.

Wer hatte die Idee, Ski Weltmeister Per Elofsson als Gast für Eure CD einzuladen?

Da kann ich mich nicht dran erinnern, aber ich denke, wir waren alle mit einbezogen, wenn es um Gäste für das Album ging. Per und ich gingen zusammen zur Schule und wir hingen auch so ein wenig herum, als wir Kids waren, deswegen kannten wir ihn ein bisschen. Wir dachten einfach, die Idee war wahnsinnig komisch, wegen der Tatsache, dass er ebenfalls Metal hört, Gitarre spielt und dreifacher Weltmeister im Langlauf war. Wir wollten die erste Band in der Geschichte sein, die solch einen Gast auf ihrem Metal Album hat.

Es gibt weitere Gastmusiker auf Eurer CD. Welche Funktionen hatten sie und warum habt ihr ausgerechnet diese gefragt, bei Euch mitzumischen? Denkst Du, ihr seid nicht mehr gut genug ohne sie? Ging es da um Namedropping?

Es ging darum, das Album ein wenig interessanter zu gestalten, für die Fans und die Medien. Ich persönlich liebe Gastmusiker und ich denke die Fans auch. Sie machten die Songs, auf denen sie spielten, zu etwas Besonderem. Nein, ich denke, wir haben es einfach für uns gemacht, aber so haben wir das Album ein bisschen interessanter gestalten können. Wir wollten ein wenig herausstechen, von dem, was wir vorher taten. Wir hatten noch nie vorher Gastmusiker.

Ihr habt wieder im Toontrack Studio in Umeå aufgenommen ... Wie war es für Euch, nach über einem Jahr wieder im Studio zu sein?

Großartig. Wir haben immer eine gute Zeit mit diesen Produzenten und dieses Mal haben wir darauf geachtet, genug Zeit zu haben. Wir waren gut vorbereitet und wir hatten eine Menge Diskussionen, wie wir die Dinge reibungslos über die Bühne bringen konnten. Die Aufnahmen waren in der Tat richtig cool.

Mein Lieblingssong auf der neuen war »Fools Never Die« von der ersten Sekunde an. Es ist sehr eingängig und geht in Richtung Mainstream. Wollt ihr den Mainstream für Euch gewinnen, die kiddy-pop Charts entern wie Edguy es mit »King Of Fools« taten?? Wollt ihr das Thema am Leben erhalten, das Edguy hochholten?

Haha, nein ... Wir schreiben niemals Songs, worüber wir denken, sie wäre nicht cool für uns. Anders würde das nicht funktionieren. Natürlich verbringen wir eine Menge Zeit mit der Perfektion der Melodien und versuchen die bestmöglichen Songs zu schreiben. Aber Mainstream Charts? Wir können uns nicht hinsetzen und VERSUCHEN, Hit Songs für das Mainstream Publikum zu schreiben. Falls wir das täten, glaube ich nicht, dass wir jemals ein Album fertig bekommen würden. Wir fangen eine Album Session einfach mit einem weißen Blatt Papier an und arbeiten bis wir wissen, wir haben das bestmögliche Album geschrieben. Das ist alles, was wir machen können. Wenn die Mainstream Kids es mögen, gut. Dann kann ich mir ein neues Auto kaufen oder so.

Außerdem liebe ich »Cuts Like A Knife«, bei dem ihr mit Kristoffer Olivius von Naglfar zusammengearbeitet habt. Ihr solltet das öfter tun. Ich mag diese aggressiven Parts in diesem Song sehr und es passt zu Jonnys Stimme.

Da stimme ich zu. Kristoffer machte einen hervorragenden Job bei diesem Song und er gab ihm die richtige Spannung. Dieser Song fällt auf jeden Fall aus der Reihe und ist ebenso ein Fave von mir.

Habt ihr jemals überlegt, weibliche Vocals in einem Song zu verwenden?

Nein. Aber man weiß ja nie. Kannst Du singen, Tanja? (Anmerkung: ja - Tanja)

Worum geht's in Euren neuen Songs? Gib bitte kurze Beschreibungen der neuen Songs an:
Fools Never Die:

Sehr elementar, geradeaus und eingängig, ohne nach Kindergarten zu klingen. Das ist ein großartiger Song, den ich liebe.

Never Trust:

Richtig heavy und stampfende Riffs. Dieser Song kam erst im Studio richtig zum Leben und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Jonny singt wie ein Gott hierbei.

Still Alive:

Heavy, hart und immer noch melodisch - unser Markenzeichen!

Something Undefined:

Dieser Song kam hauptsächlich im Studio zum Leben. Das ist Jonnys All Time Favourite von allen NR Songs. Großartig, säuerlicher Refrain, der wirklich abhebt.

Our Wasted Days:

Ich liebe die Soloparts in diesem Song. Nils spielt wie ein Gott.

Cuts Like A Knife:

Wahrscheinlich der Song des Albums, der am meisten heraussticht. Es hat einige Death Metal Vocals von Kristoffer von Naglfar und auch musikalische Gäste, wie z. B. Jens Johansson (Stratovarius) und Henrik Danhage (Evergrey). Der einzige Song, der eher eine Geschichte ist, lyrisch gesehen.

End Of Our Rope:

Eine Up Tempo Ballade, bei der Jonny wie ein Gott singt.

Never Ending:

Einer der schnellsten Songs des Albums. Ich liebe den Hauptriff dieses Songs, genauso wie die Melodien.

One By One:

Mid Tempo Song, der wirklich gute und faszinierende Melodien besitzt.

Deliverance:

Einer meiner momentanen Live Favoriten. Sehr groovy und heavy mit einem großen Refrain.

Ihr habt außerdem eine Bonus DVD beim Grand Illusion Album hinzugefügt. Worum geht's da?

Es sind so um die 80 Minuten Material - angefangen bei den Proben mit dem Orchester, Aufnahmen zum neuen Album und Behing The Scenes und Making Of des ersten Videos zu »Fools Never Die«. Außerdem sind alle Videoclips von der »New World Messiah« darauf enthalten und auch das brandneue »Fools ...« ...

Reden wir ein bisschen über die Tour: Welche waren Eure Wünsche für die Tour mit Gamma Ray und Powerwolf? Wurden sie erfüllt?

Wir hofften, eine großartige Zeit verbringen zu können und coole Shows zu spielen ... und das taten wir. Vor allem, wie immer, waren Spanien und Italien klasse, aber auch die Shows in Frankreich waren cool, na ja, eigentlich überall.

Wie waren Eure Konzerte mit Nightwish, die ihr vor ein paar Wochen hattet?

Die waren auch sehr gut. Einen der Gründe, warum wir diese Shows bestritten, war, dass wir total anderes Publikum vor uns hatten, das wir erreichen wollten. Nightwishs Fans sind Null-Acht-Fünfzehn-Fans. Sie haben ein ziemlich gemischtes Publikum. So dachten wir, wir schmeißen mal ein bisschen NR hin. Das hat gut geklappt, sogar besser als ich mir jemals geträumt hätte. Sehr erfolgreiche Shows.

Plant ihr eine Tour für das kommende Jahr?

Im November und Dezember werden wir in Schweden headlinen und für 2006 haben wir nur ein paar Single Shows geplant. Aber wir arbeiten bereits an weiteren Touren und Ideen und ich bin sicher, wir werden in ein paar Monaten bessere Ideen haben.

Plant ihr eine USA-Tour?

Vielleicht, ich weiß nicht. Wenn wir eine Südamerika-Tour machen, werden wir wahrscheinlich gleich noch ein paar Gigs in den USA spielen. Aber die USA ist nicht gerade unser größter Markt, deswegen weiß ich es nicht ...

Tanja

weitere Links
CD-Reviews:

CD-Review: Nocturnal Rites - Shadowland
CD-Review: Nocturnal Rites - Grand Illusion

Live-Reviews:

05.06.2007 bis 09.06.2007: Swedenrock-Festival (Sölvesborg (S))


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